lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Das wandernde Gewölbe

In der Mitte des 12. Jh. entwickelte sich in Südwestfrankreich die angevinische Gotik, deren Hauptmerkmal das Domikalgewölbe ist. Kuppel und Rippengewölbe gehen hier eine Ehe ein. Der Schlussstein ist stark nach oben gezogen.
 
Diese Gewölbeform wurde populär nur in der Ursprungsregion, und - Tausende von Kilometern entfernt - in Westfalen.
 
Bei der Frage nach den Gründen stoßen westfälische Historiker auf den Urvater des lippischen Herrschergeschlechtes. Bernhard II. war treuer Gefolgsmann Heinrich des Löwen, der nach dem Verlust seiner Herzogtümer ins Exil zu seinem Schwiegervater, dem Herrscher des Angevinischen Reiches, ging. Bernhard soll im Gefolge gewesen sein.
 
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 Domikalgewölbe St. Nikolai, Lemgo
 
Unmittelbar nach seiner Rückkehr gründete er 1184 oder 1185 Lippstadt und kurz darauf Lemgo und war auch an der Stiftung des Klosters Marienfeld beteiligt.
 
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Domikalgewölbe im Dom zu Münster
 
 
Bei diesen Interessen ist es so unwahrscheinlich nicht, dass er, beeindruckt von der im Angevin angetroffenen Gotik, das Domikalgewölbe durch französische Baumeister nach Westfalen bringen ließ und es Anfang des 13. Jh. in seinen Besitzungen einsetzte.




Ein Flüchtling aus Damaskus

 
Seine ganze Sippe ausgelöscht. Als einziger Überlebender flieht der 25-Jährige nach Nordafrika zur Berber-Familie seiner Mutter, die ihn versteckt. Verwandte schleusen den unbegleiteten Jugendlichen  nach Südspanien.
 
Was so modern anmutet geschah im Jahre 756. Der Flüchtling ist einziger Überlebender der Omayaden-Familie deren Kalifat  seit 661  über die islamische Welt herrschte. Nun sind nach fast 100 Jahren ihre Mörder, die Abbasiden, an der Macht in Damaskus.
 
 
 
Ab dar-Rahman gelang es schnell, Berber und Unterstützer der Omayden zu einen und den bisherigen Herrscher zu schlagen. Als Emir von al-Andalus verteidigte er seine Unabhängigkeit gegenüber dem feindlichen Kalifat.
 
Abd ar Rahman IStatue von Abd ar-Rahman I., Almuñécar, Spanien
Zwei Jahre vor seinem Tod begann er 786 mit dem Bau der Großen Moschee in Córdoba.
 
 
 
 




Gratulation

Der hochmittelalterliche Dom St. Peter und Paul in Naumburg ist Weltkulturerbe der UNESCO geworden und  damit in bester Gesellschaft neben Köln, Speyer und Aachen, um nur diese zu nennen.  

 

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Heilige Gräber

 
Um 800 soll Karl der Große vom islamischen Herrscher Harun-al-Raschid als offizieller Beschützer der christlichen Heiligen Stätten in Jerusalem anerkannt worden sein.
 
Trotz häufiger Wirren unter verschiedenen islamischen Herrscherdynastien waren vor und nach diesem Zeitpunkt christliche Pilgerfahrten immer wieder  möglich. Auch der Hochadel pilgerte nach Jerusalem, so Heinrich der Löwe und der spätere König Konrad III..
 
Beeindruckt vom Heiligen Grab, errichteten einige Rückkehrer Nachbildungen.
 
 
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Als ältestes Werk nördlich der Alpen mit figürlichem Schmuck gelten die um 1090 errichteten Grabkammern in der Stiftskirche St. Cyriacus in Gernrode.
 
Rotunden waren häufige Bauformen, wie die Mauritiusrotunde am Münster in Konstanz von 1260 und das Heilige Grab im Dom zu Magdeburg aus etwa der gleichen Zeit.
 
 
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                  Heiliges Grab Dom Magdeburg
 
Erwähnt werden muss auch eine weitere bedeutende Darstellung des Hl. Grabes im Rahmen einer Gesamtanlage in Görlitz vom Ende des 15. Jh..
 
Auch Heimkehrer aus anderen europäischen Ländern schufen Nachbauten der Grabstätten Christi.




Einhards Steine

Vor etwa 13 Jahren veröffentlichte ich auf diesen Seiten einen Artikel über die karolingische Einhardsbasilika in Steinbach.

Beim Besuch hatte ich mir das Format der Backsteine angeschaut. Und ich hatte im Kopf die Aussage von Professor Arnold Wolff, dem 2. Kölner Dombaumeister, dass die Römer bei ihrem Abzug neben vielem anderen auch die Kunst des Backsteinbrennens mitgenommen hatten. Erst der berühmte Bischof Bernward von Hildesheim (950/60-1022) habe wieder Backsteine bzw. Dachziegel produzieren lassen. Das wurde inzwischen archäologisch bestätigt. Deshalb sprach ich von der Wiederverwendung römischer Steine.

 

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2010 wies mich ein freundlicher Leser darauf hin, dass meine Aussage zum Baumaterial so nicht richtig sei. Das hessische Landesamt für Denkmalpflege habe Ziegel von schlechter Qualität gefunden, offensichtlich aus lokaler Produktion. Inzwischen hatte ich von einem Brief Einhards an einen gewissen Egmunelus erfahren, der mit der Ziegelproduktion für die Basilika betraut wurde.

Ich korrigierte also meine Aussage.

Vor einiger Zeit las ich bei Mathias Untermann Genaueres: Egmunelus erhielt eine Bestellung von 260 Steinen in zwei Größen. Insgesamt wurden aber ca. 7000 Steine verbaut.

Ich korrigierte den Artikel ein zweites Mal.

Beenden wir das Thema mit der Frage meiner Frau: „Habt Ihr nichts Wichtigeres zu tun?“

 

 

 

Untermann, Matthias, Handbuch der mittelalterlichen Architektur, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2009

 

 

 




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