lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Die Flucht nach Ägypten

ist eine der vielen Erzählungen der Bibel, die mittelalterliche Meister zu ihren Werken anregten.
 
Diese Flucht vor Not und Gefahr hat heute Parallelen, wenn auch Europa an die Stelle von Ägypten getreten ist. Esel als Transportmittel dürften allerdings weniger genutzt werden.

 

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Schilderungen finden sich in allen möglichen Kunstarten, am häufigsten wohl in Steinmetzarbeiten, so an diesem schönen Kapitell, das ich auf dem Weg nach Santiago de Compostella entdeckte.

 

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Und dies ist eines der Werke des berühmten Gislebertus, ausgestellt in der Kathedrale von Autun in Burgund.

 

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Auch Holzschnitzer nahmen sich des Themas an, wie hier in rührender Schlichtheit an der Tür aus dem 11. Jh. in der Kölner Kirche Maria im Kapitol.

Tür aus dem 11. Jh. in der Kölner Kirche Maria im Kapitol.

 




Mörtellose Gotenbauten

In der Antike und in primitiveren Kulturen wurde oft ohne Mörtel gebaut. Prominentes Beispiel sind die ägyptischen Pyramiden.

 Die Inka wuchteten tonnenschwere Steinblöcke ohne Mörtel aufeinander.
Noch im 17. Jh. wurden die Trulli in Apulien in dieser Technik errichtet.

Das Grabmal des Ostgotenkönigs Theoderich in Ravenna (um 520) ist mörtellos gebaut, aber auch – und das ist auffällig – die meisten der kleinen westgotischen Kirchen im heutigen Spanien, fast alle aus dem 7. Jh.

 

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https://wernernolte.de/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/spaetantik/grabmal-theoderichs-des-grossen

 

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Ost- und Westgoten bedienten sich der gleichen Technik, obwohl sich die Brüdervölker am Ende des 3. Jh. getrennt hatten.

 https://wernernolte.de/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorkarolingisch/santa-maria-quintanilla-de-las-vinas-burgos

Die Frage ist, ob es zwischen den Ostgoten in Italien und den Westgoten auf der iberischen Halbinsel noch enge Verbindungen gab. Immerhin war Theoderich der Große für einige Jahre König auch der Westgoten. Seine Tochter heiratete einen westgotischen Adligen.

Könnte also ein Beispiel mörtellosen Bauens aus dem 6. Jh. (Grabmal Theoderich) Vorbild für die kleinen westgotischen Kirchen im heutigen Spanien sein, die mehr als 100 Jahre später errichtet wurden?

Man kann es nicht ausschließen.




Die Falkenburg II

Ich veröffentlichte vor sieben Jahren hier einen Bericht über die Restaurierung dieser Burgruine im Teutoburgerwald bei Detmold.

Jetzt sind die Arbeiten wohl abgeschlossen. Die sanierte Ruine zeigt deutlich viele Details der imposanten Anlage.

Das Foto erinnert mich an Ausflüge in den Teutoburgerwald und daran, wie ich als Kind über die Steine inmitten der Buchen gestolpert bin.

Dies ist eine großartige Leistung aller Beteiligten, die mich als Lipper ungemein erfreut und zu der ich herzlich gratuliere.

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Von Tsungam - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48233087

Etwa 500 Jahre träumten ihre Ruinen am Nordrand des Teutoburger Waldes, in der Nähe von Berlebeck. Viel war nicht übrig geblieben von einer der mächtigsten Höhenburgen Westfalens. Der Wald drohte Restmauern und Bauten völlig  zu überwachsen.

Erbaut um 1194 von Bernhard II. und seinem Sohn Hermann II. zur Lippe erhob sich die Burg zwischen den Besitzungen des Bistums Paderborn im Süden und lippischem Besitz im Norden.

Mit Ringmauer, 4 Toren, Zwinger und Zugbrücken gesichert, konnte sie nie eingenommen werden. Ein Brand während eines Festgelages des Edelherrn Bernhard VII. „Bellicosus“ aus Anlaß eines erfolgreichen Raubzuges ins Münsterland zerstörte sie Mitte des 15. Jh. weitgehend.

Einige Jahrzehnte war sie noch bewohnt, dann wurde sie ganz aufgegeben.

Erst 2004 begann eine Gruppe geschichtsbewußter und tatkräftiger Lipper mit Ausgrabungen und teilweisem Wiederaufbau. Auch der Laie kann sich heute - nur im Rahmen von Führungen - ein gutes Bild von einer der wichtigsten hochmittelalterlichen Burgen im Raum Westfalen machen.


Jetzt sind die Arbeiten wohl abgeschlossen. Die sanierte Ruine zeigt deutlich viele Details der imposanten Anlage.

G0010471 FalkenburgVon Nevermind71 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36459216

 

 




Senner Pferde - Erbe des Mittelalters

In diesen Seiten wird in der Regel über tote Materie gesprochen. Da ist es wohltuend, daran zu erinnern, dass es auch ein sehr lebendiges Erbe gibt, zum Beispiel alte Pferderassen.

Ich spreche von den Senner Pferden, der ältesten Reitpferderasse Deutschlands.

Schon 1160 wurden sie in einem Dokument des Klosters Hardehausen erwähnt. Die frei lebenden Herden zogen das ganze Jahr durch die Heidelandschaft der Senne und den Teutoburger Wald.

 

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Am Ende des 15. Jahrhunderts zählten die Wildhüter des Landesherren Bernhard VII. zur Lippe 64 „wilde Pferde“. Im nächsten Jahrhundert ließ ein lippischer Graf ein Gestütsgebäude errichten.

Die Natur traf unter den Pferden eine natürliche aber harte Auslese. Nur die Besten überlebten. Das machte die Senner so wertvoll, zumal später arabisches und englisches Vollblut eingekreuzt wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg war die Rasse fast ausgestorben. Enthusiastische Pferdefreunde retteten sie. Heute gibt es an die 40 Senner, gezüchtet u. a. im Freilichtmuseum bei Detmold.

 

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In Erinnerung an alte Zeiten weidet heute im Sommer eine kleine Herde in Wald und Heide eines Naturschutzgebietes nahe der Emsquellen und ernährt sich von dem was die Natur bietet.




Der hölzerne Ritter

In der Kathedrale von Gloucester stößt der Besucher auf ein merkwürdiges Grabmal.

Die Figur ist sehr lebendig dargestellt. Insbesondere die gekreuzten Beine sind ungewöhnlich. Die ursprüngliche Annahme der Forscher, diese Haltung weise auf Teilnahme an einem Kreuzzug hin oder gar auf den Templerorden wurde fallen gelassen.

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Foto: Wikipedia

 

Die Plastik aus Mooreiche zeigt Robert II. Curthose, den ältesten Sohn Wilhelm des Eroberers. Er war Herzog der Normandie, verpfändete das Herzogtum, um 1096 am Ersten Kreuzzug teilnehmen zu können, lag in ständigem Streit mit Vater und Brüdern.

Bei dem Versuch, den englischen Thron von seinem jüngeren Bruder Heinrich zurück zu erobern, verlor er 1106 die letzte Schlacht und wurde bis seinem Tode im Jahre 1134 eingekerkert.




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