lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Treppen

Die Geburtsstunde der Treppen schlug, als die Menschen sich mit einstöckigen Behausungen nicht mehr zufriedengaben.
 
Im Anfang musste ein eingekerbter Baumstamm herhalten, um nach oben zu kommen.
 
 
Diverse.Lippe.Oerlinghausen04 1411
 
Das wurde auf Dauer zu primitiv. Also erfand man Treppen, zunächst aus Holz, dann aus Stein.
 
 
wells.009
 
Die Konstruktionen wurden immer gewagter und manche berühmt, wie die breite Treppe in der Kathedrale zu Wells, die vom nördlichen Chorseitenschiff hinauf zum Kapitelhaus führt.
 
In manchen Klöstern verbanden die so genannten „Nachttreppen“ das Dormitorium mit dem Chor, um den Mönchen den Weg zum Stundengebet zu erleichtern.
 
 
IMG 2181.Marksburg
 
Ganz flache Stufen hatten die Reitertreppen, die in der frühen Neuzeit auch in die Spitze von Türmen führte, so im Runden Turm in Kopenhagen, jedoch als Reitrampe ohne Stufen.
 
So ging es auch nach oben in den „Eselstürmen“. Im gewundenen Gang wurden Lasten auf dem Rücken von Tragtieren befördert.
 
 
Bornholm.Olsker 04 084
Olsker Wehrkirche
 
 
 
Und auch das. Wie lange konnte ein einzelner Schwertkämpfer die Erstürmung des Obergeschosses erschweren?
 
 
 




Aberglaube

 
Gerade lese ich, dass der Arbeitsminister der Bundesregierung ein 13. Sozialgesetzbuch plant. Es soll die Nr. 14 tragen, weil die 13 eine Unglückszahl ist. Das ist rücksichtsvoll von Herrn Heil. Dieses Unbehagen ist auch im Digitalzeitalter weit verbreitet. Wer hat noch nicht ein Hotelzimmer mit der Nr. 12a gefunden?
 
Und das Thema „Schwarze Katze“ ist auch in vieler Munde.
 
Da wundern wir uns nicht über Aberglauben im Mittelalter.
 
4095Maria.Cosmedin.Rom.800B „Mund der Wahrheit“ vor Santa Maria in Cosmedin, Rom.
 
Die riesige Marmorscheibe soll mehr als 2000 Jahre alt sein. Seit dem Mittelalter glaubt man, dass der „Mund“ zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden kann. Im letzteren Fall schnappt  er zu. – Diese junge Frau kam unbeschadet davon.
 
 
Die selbe Dame wurde beobachtet, als sie in Córdobar der Statue des berühmten jüdischen Gelehrten Maimonides (12. Jh.) die Hand auf den schon strapazierten linken Fuß legt. Ob ein wenig Weisheit überging?
 
 
IMG 0175
 
Bleiben wir zu Hause: In Köln wird erzählt, dass im Mittelalter die simple Berührung der Statue des Hl. Christopherus im Dom das Überleben für diesen Tag sicherte.
 
Ähnliche „Angebote“ sind häufig im mittelalterlichen Europa.




Zum Neuen Jahr

 
 
 
Ich danke allen Besuchern für ihr Interesse an dieser Seite und wünsche  Ihnen für 2019 Freude, Gesundheit und Erfolg.
 
 
 
Ihr Werner Nolte
 




Poesie in Stein

 
Seite an Seite ruhend, so findet der Erzengel Gabriel die drei Könige aus dem Morgenland.
 
Der nackte Arm eines der Schläfer ruht auf der prächtigen Decke. Leise berührt Gabriels rechter Zeigefinger den kleinen Finger des Königs, während seine Linke auf den Stern von Bethlehem weist, das Ziel der bevorstehenden Reise. Der König öffnet die Augen.
 
Träumende könige.bearbeitet
 
Dies ist eines der beeindruckendsten Kapitelle in der Kirche St. Lazare in Autun (Burgund), geschaffen von Gislebertus schon im 12. Jh..
 
 
Erstaunlich das Heraustreten aus der Anonymität zu diesem frühen Zeitpunkt, zumal, wenn der Name wirklich den Künstler und nicht den Auftrageber bezeichnen sollte.
 
Neben der meisterlichen Inszenierung des Geschehens auf kleinstem Raum, beeindruckt das Werk durch die berührende Visualisierung der Handlung. Der Betrachter meint zu spüren, wie Haut Haut berührt, sanft aber doch bestimmt.
 
 
 
 
Ich wünsche allen Besuchern eine schöne Adventszeit und ein frohes und gesundes Weihnachtsfest.




Ruhen in Ravenna

 
Vor kurzem stieß ich auf eine Fotoserie über spätantike Bauten in Ravenna und war wieder fasziniert von den Grabmälern zweier großer historischer Persönlichkeiten und dem spannenden Gegensatz in Architektur und Ausstattung der Bauwerke, die in einer Zeitdifferenz von etwa 70 Jahren errichtet wurden.
 
 
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Da ist zunächst das Grabmal der weniger bekannten römischen Kaiserin Galla Placidia. Zu Anfang des 5. Jh. erstand ein unauffälliger Backsteinbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes. Über den Satteldächern der 4 niedrigen Arme erhebt sich ein gedrungener Turm, der die Hängekuppel birgt.
 
 
 
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Innen vergisst der Besucher das unscheinbare Äußere. In weihevoller Dämmerung umgibt ihn die Pracht des 1500 Jahre alten Mosaikschmucks mit dem großartigen blau-goldenen Sternenhimmel der Kuppel.
 
 
 
Ganz anders der zweigeschossige Zentralbau des berühmten Gotenkönigs Theoderich aus dem Beginn des 6. Jh.
 
 
 
Sorgfältig behauene Großquader aus Kalkstein, mörtellos gesetzt, türmen sich auf 10-eckigem Grundriss bis zu 16 m Höhe empor. Gekrönt ist das Obergeschoss von einem ca. 300 Tonnen schweren Dachmonolith. Anfertigung in Istrien, Transport und Montage sind Glanzleistungen spätantiker Ingenieurskunst.
 
 
 
 
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Das Äußere übertrumpft eindeutig das Mausoleum der Kaiserin. Innen aber ist der Bau schmucklos. Eine Porphyrwanne im Obergeschoss wurde erst im 20. Jh. aufgestellt.
 
 
Die Erbauer beider Grablegen sind nicht in ihnen bestattet. Forscher vermuten Galla Placidias Grab in Rom.
 
 
Leichnam und Sarkopharg des arianischen Gotenkönigs fielen religiöser Intoleranz zum Opfer. Nach der Eroberung des Gotenreiches tilgten die Katholiken alle Andenken an die Häretiker.




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