lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Bernhard von Clairvaux war der Gründer des Zisterzienserordens

 

Sie stutzen? Dann liegen Sie richtig. Aber diese Fehlmeldung liest und hört man immer wieder.

 

Bernhard, später heilig gesprochen, war einer der beeindruckendsten Männer seines Jahrhunderts. Den Gründerruhm aber hat er nicht verdient. Er war der vierte Abt des Gesamtordens.

 

Ordensgründer war Robert. Er wollte zurück zu den in Cluny vernachlässigten wahren Regeln des hl. Benedikt. Nach einigen Enttäuschungen in konventionellen Benediktinerabteien gründete er ein Kloster in Molesme. Nach internen Schwierigkeiten zog er 1098 mit 21 Mönchen ins ebenfalls burgundische Cîteaux. Papst Paschalis II. bestätigte den nach diesem „Ur-Kloster“ benannten Orden.

 

Bernhard trat erst 1112  mit 30 Gefährten als Novize ein, als Stephan Harding den Orden leitete. Schon 1115  wurde Bernhard Abt des Tochterklosters Clairvaux. Erst später wurde er zum Leiter des Gesamtordens gewählt.

 

Die Falschmeldung hängt wohl damit zusammen, daß mit Bernhards Eintritt die erstaunliche Ausdehnung begann. Gab es 1112 vier oder fünf Klöster, waren es 1153, bei seinem Tod, 365 Abteien. Fontenay (Bild) ist eine der Ältesten.

 

burgund

 




Basilika, Kathedrale, Dom, Münster

Eine verwirrende Vielfalt von Begriffen, wenn von großen Kirchen die Rede ist.

Einfach ist es bei der „Basilika“. Es ist die Bauform einer Kirche mit einem hohen Mittelschiff und 2 oder mehr niedrigeren Seitenschiffen. 5-schiffige Beispiele sind die Dome in Köln und Mailand.

Kathedralen und Dome sind Bischofskirchen, in der Regel große Basiliken. Die Bezeichnung Dom findet man im deutschen Sprachraum und in Italien.

Wie so oft: keine Regel ohne Ausnahmen. Im Sprachgebrauch werden manche großen oder für das Umfeld bedeutenden Kirchen als „Dome“ bezeichnet, obwohl sie keine Bischofskirchen sind. Da gibt es den „Altenberger Dom“, eine ehemalige Klosterkirche, den Sauerländer Dom in Attendorn, eine ehemalige Stiftskirche und viele andere, die streng genommen, die Bezeichnung „Dom“ nicht verdienen.

Das Wort Münster wird auf „monasterium“, also Kloster zurückgeführt. Anfangs den Gesamtkomplex meinend, blieb die Bezeichnung später der Klosterkirche vorbehalten. So werden Stiftskirchen oft als Münster bezeichnet, oder die Hauptkirchen wichtiger Städte, wie das Ulmer Münster.

Im südwestdeutschen Raum, werden auch Bischofskirchen als Münster bezeichnet, z.B. in Straßburg und Konstanz

Mag auch generell die Bezeichnung „Münster“ im Süden häufiger vorkommen, ist sie doch auch im Norden zu finden, so das Doberaner Münster, eine Zisterzienser Klosterkirche in Mecklenburg-Vorpommern, und das Herforder Münster in Ostwestfalen.

Es ist kompliziert, vor allen weil Traditionen und Volksmund eine Rolle spielen.

Im Gespräch mit Alteingesessenen ist aus der Erfahrung des Autors Vorsicht durchaus geboten. Es kann zu Unmut führen, wenn z.B. das Ulmer Münster als Dom bezeichnet wird.

 




Weibertreu

 

Bei Recherchen zum 12. Jh. stieß ich auf ein außergewöhnliches, gleichwohl historisch belegtes Ereignis.

 

Der Staufer Konrad III. (1138 – 1152), im ewigen Kampf gegen die Welfen, belagerte 1140 wochenlang deren Burg Weinsberg. Schließlich boten die Verteidiger die Kapitulation an. Die Bedingungen waren hart: Zerstörung der Burg, Hinrichtung der Männer. Den Frauen wurde freier Abzug gewährt und Mitnahme aller Güter, die sie tragen konnten.

 

 

(Wiki, Rosenzweig)

 

Die Tore öffneten sich. Heraus kamen die Frauen, auf dem Rücken - ihre Männer.

 

Das reisige Gefolge bedrängte den König, den Schwindel nicht zu akzeptieren. Der, sicherlich erstaunt, vielleicht humorbegabt, ließ Milde walten, eine herrscherliche Tugend schon damals.

 

Viele Dichter haben sich des Ereignisses angenommen, u.a. de Chamisso, Gebrüder Grimm, Brecht.

 




Konstantinopel

 

Angeregt durch einen Leser möchte ich auf zwei Bücher aufmerksam machen, die sich mit einer der interessantesten Städte der Antike und des Mittelalters beschäftigen.

Konstantinopel, das alte Byzanz, wurde oft bedroht. Durch Slawen, Awaren, Waräger (Wikinger), Perser – immer vergeblich.

Große Gefahr dann durch den Islam. 673/74 versuchte eine riesige arabische Flotte die Eroberung, 717 belagerten islamische Truppen ein Jahr lang die Stadt - vergeblich.

Von Kreuzfahrern 1204 erobert, blieb sie christlich.

Im 15. Jh. sah das mächtig gewordene osmanische Reich seine Chance.

Verglichen mit dem antiken Ostrom war der Stadtstaat nur noch ein Schatten seiner selbst, das Staatsgebiet winzig, umgeben von der Landmasse des inzwischen starken türkischen Reiches. Aber die Stadt war ein Symbol und immer noch reich hinter mächtigen Mauern.

Ein Versuch in 1422 scheiterte. Doch 1453 war der Islam nach blutigen Kämpfen am Ziel.

Es war eines der schwerwiegendsten Ereignisse des späten Mittelalters.

 

In der Form eines historischen Romans, gut recherchiert, beschreibt der Autor die Belagerung in 673/74:

Becker, Frank S., Sie kamen bis Konstantinopel, Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 2009

(mit Zeittafel, Glossar und Karten.)

 

 

Eng an den historischen Fakten, die Situation beider Seiten beleuchtend, wird die endgültige Eroberung spannend beschrieben:

Crowley, Roger, Constantinople – The Last Great Siege, Faber and Faber Ltd., London, 2006

(mit Karten, Index, Quellenangaben)

 

Viel Spaß!

 




Magnet Kathedralen

 

20.000 täglich im Schnitt, mehr als 6 Millionen im Jahr!

 

Kann diese Besucherzahl des Kölner Domes von einer anderen mittelalterlichen Kathedrale in Europa übertroffen werden? Wohl kaum. Oder?

 

Oh ja. Zu meiner Überraschung hat die bedeutend kleinere Kathedrale Notre Dame in Paris über 10 Millionen Besucher im Jahr, bei einer Grundfläche von nur ~ 4800 qm, rund 2/3 der Grundfläche des Kölner Domes.

 

In diesem Jahr wird die Zahl der Besucher noch steigen. Notre Dame feiert ein Jubiläum: Vor 850 Jahren begannen die Bauarbeiten.

 

Als ich Notre Dame vor 50 Jahren besuchte, war ich ziemlich einsam dort. Der Massentourismus hatte noch nicht eingesetzt, und die Zahl der lediglich an der Besichtigung interessierten Kirchenbesucher war gering.

 

Eine Untersuchung der Fachhochschule Hannover gibt interessante Aufschlüsse, über Motive, Alter, Aufenthaltsdauer etc. der Besucher.

(http://www.kirche-im-tourismus.de/pages/archiv.php)

 




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