lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte

Kurzbiografie

König Alfonso III. (Der Große) von Asturien

In der Bergeinsamkeit Asturiens begannen im Jahr 722 Versprengte des von den Mauren geschlagenen westgotischen Heeres und eine Handvoll Krieger eines kernigen Bergvolkes ein Unternehmen, das knapp 800 Jahre später mit dem Sieg der christlichen Reiche auf der iberischen Halbinsel endete – die Reconquista.

 

Pelayo/Pelgius, der Sieger von Covadonga (Foto: Inge Hermann, Siegburg)

 

Dieser Sieg bei Covadonga, nur ein Scharmützel nach Ansicht der Historiker, bescherte dem gotischen Anführer Pelagius, den Ruhm eines spanischen Nationalhelden.

 

Alfonso III. ist der Elfte in einer langen Reihe asturischer Könige.

 

Warum beschäftige ich mich mit ihm? Zum einen hat er in der Tat Bedeutendes geschaffen und sich den Beinamen „El Magno“ verdient. Und mit seinem Tod endete nach etwa 150 Jahren das eigentliche asturische Königreich. Nach der Verlegung der Hauptstadt nach León übernahm das Reich bald diesen Namen.

 

Familie und Jugend

Der Vater, Ordono I. (850-66), hatte mit seiner Frau Munia 5 Söhne. Leodegundis, die einzige Tochter, könnte später Königin in Pamplona gewesen sein. Alfonso fiel als dem Ältesten die Thronfolge zu. Persönliches über ihn und seine Brüder ist  kaum bekannt. Die Quellen sind in dieser Hinsicht unergiebig.

 

Denkmal Alfonsos III. auf der Plaza de Oriente in Madrid (Foto: Wikipedia)

 

Der Kronprinz wuchs mit seiner Familie in Oviedo auf, das bei seiner Geburt seit 38 Jahren Hauptstadt war. Ursprung der Stadt war das Kloster San Vicente, vom dritten König Fruela I. (757-68) gegründet.

 

Nach unseren Maßstäben war Oviedo eine Kleinstadt. Unter Berücksichtigung von Bevölkerungszahlen anderer Städte um diese Zeit (z.B. werden für León im 11. Jh. 7000 Einwohner geschätzt), dürften während des Regimes Alfonsos III. deutlich weniger als 5000 Menschen in der Hauptstadt gelebt haben.

 

Schon Alfonso II. (791-842) hatte sich wegen der Wikinger-Überfälle gesorgt und soll Oviedo befestigt haben. 844 gab es einen Überfall bei Coruna, den Ramiro I. (842-50), der Großvater unseres Helden, zurückschlug.

 

Wappen von Oviedo (Wikipedia)

 

Das alte Oviedo hatte einen Durchmesser von vielleicht 400 m, wenn ich Carlos Sánchez-Montana richtig interpretiere und gruppierte sich um Palast und kirchliche Gebäude auf einem Hügel.

Die präromanische Basilika San Salvador, von Fruela I. im 8. Jh. errichtet, war die Vorgängerin der heutigen Kathedrale. Gleich daneben residierte die Königsfamilie in einem Palast, den Alfonso II. erbaut hatte. Von ihm ist nur die angebaute Cámera Santa, heute in die Kathedrale integriert, erhalten. Wahrscheinlich diente sie auch als Palastkapelle. Der König war oft abwesend, um das Reich zu sichern und auszudehnen. So ließ er das etwa 90 km südlich von Oviedo gelegene León besiedeln und befestigten.

 Man darf sich vorstellen, daß Erzieher und Vater den künftigen König gelegentlich in die Cámera Santa, Schatzkammer von Reich und Kirche, geführt haben, vielleicht als Unterrichtshilfe zu Geschichte und Religion. Im Kerzenlicht der Michaelskapelle konnte er Domschatz und Reliquien bestaunen. Es muß ihn beeindruckt haben.

 

Kathedrale San Salvador, Oviedo, Spätmittelalter

 

Nahe der Basilika beteten die Mönche im Kloster San Vicente, heute Archäologisches Museum. Zur Palastanlage gehörte auch San Tirso, erbaut unter Alfonso II. Von ihr ist nur die Ostfassade erhalten. 

 

Beim Versuch, den nicht erhaltenen Stadtpalast vor unseren Augen erstehen zu lassen, dürfen wir uns nicht an den Bauten am Naranco-Berg (Asturische Vorromanik) nordwestlich der Stadt orientieren. Sie sind der Höhepunkt asturischer vorromanischer Architektur und Skulptur mit eigenständigem Stil, deutlich überlegen den Bauten, die etwa 50 Jahre zuvor Steinmetzwerkstätten unter Alfonso II. errichtet hatten. Dort wurden lediglich römische Vorlagen kopiert und Spolien aus Südspanien eingesetzt.

 

San Isidoro León - 10-12 Jh

 

Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich die prächtige Kavalkade vorzustellen, die im Sommer zum Naranco-Palast ritt, die edlen Berber- und Araberpferde der Leibwache mit Schwertern, Lanzen und Schilden ein starker Kontrast zu den kräftigen und robusten Gebirgsponys der Gegend, den Asturcones, die Diener und Gepäck trugen. Dem jungen Alfonso, nicht verwöhnt von prächtigen Bauten, wird die von Ramiro I. geschaffene Anlage gefallen haben. Das Kernstück, heute Santa Maria del Naranco, diente als Sommerpalast nur der Repräsentation. Wohnungen und Bäder, leider nicht erhalten, luden zu längerem Aufenthalt ein.

 

Panteón de los reyes, León

 

Zum Leben in den Mauern Oviedos, wohl eher ärmlich verglichen mit reichen maurischen Städten im Süden, erlaube ich der Phantasie trotzdem die Vorstellung regen Verkehrs mit Ochsenkarren, Lasttieren, Reitern, Fußgängern, mit entsprechendem Lärm und Gestank. Der Prinz wird Adligen, Benediktiner-Mönchen, Handwerkern, Bauern, Viehhirten, Jägern, Kriegern und wahrscheinlich Berbern begegnet sein, letztere häufig als Sklaven. Sklaverei war damals sowohl im Emirat von Córdoba als auch im christlichen Königreich die Regel.

 

Ostfassade El Tirso, Oviedo,  Dreierarkade mit Alfiz-Rahmen

 

„Küchenlatein“ wird an sein Ohr gedrungen sein und die Sprache des Volkes, Asturisch, Grundlage des noch heute gebräuchlichen Dialektes, manchmal Bable genannt. Westgotisch hörte er, wenn überhaupt, bei Gesprächen des hohen Adels und Latein vom Klerus. Man kann nicht ausschließen, daß die mit Arabern und Berbern in Berührung kommenden Asturier auch deren Sprachen kannten und benutzten.

 

König und Krieger

 Mit etwa 18 Jahren, nach dem Tod seines Vaters, fiel Alfonso die Königswürde zu. Der König hatte ihn schon 2 Jahre vorher nominiert. Das war nicht selbstverständlich, denn ursprünglich waren die Könige gewählt worden. Doch noch saß er nicht auf dem Thron.

 

Sommerpalast Ramiros I., heute Santa Maria del Naranco

 

Das Königshaus hatte enge Verbindungen nach Galizien, dem westlichen Reichsteil. Es war als erstes großes Gebiet um 740 unter Alfonso I., (739-757) den Mauren während eines Aufstandes der dort stationierten Berbertruppen entrissen worden. Alfonsos Großvater war Statthalter gewesen, ebenso wie sein Vater. Hatte das Einfluß auf die Rebellion ein Jahr nach Ordoños Tod? Es war ein galizischer Graf, Froila Vermudez, der nach der Nachricht vom Tode des Königs nach Oviedo ritt und sich selbst zum Herrscher proklamieren ließ. Alfonso soll nicht in der Stadt gewesen sein. 

 

Ausblick vom Sommerpalast

 

Möglich, daß um diese Zeit, mehr als 100 Jahre nach der Eingliederung Galiziens, sich der mächtig gewordene Adel als berechtigt ansah, das Land zu regieren. Ein anderes Motiv wäre eine zu harte Hand der Statthalter aus der Königsdynastie. Jedenfalls mußte Alfonso III. nach Osten, nach Kastilien fliehen. Sein Onkel, Halbbruder des Vaters, Rodrigo, Graf von Kastilien, nahm ihn auf und zog mit seinen Vasallen nach Oviedo. Der Usurpator wurde besiegt und hingerichtet.

 

Keltisches Rundhaus in Congosto an der Grenze von Asturien/Galizien

 

Alfonso wurde 867 gekrönt und mußte sofort eine baskische Rebellion im Osten niederschlagen. Wie so oft bei Thronwechseln, suchten Unzufriedenen ihre Chance. Etwa drei Jahre später heiratete der König Jimena, von der einige Forscher vermuten, sie sei eine baskische Prinzessin gewesen. Wie auch immer, die Ärmste gebar neun Kinder, darunter sechs Söhne. Sollte die Zahl der Kinder Maßstab sein, war die Ehe glücklich. Die Dynastie war gesichert, doch familiäre Probleme blieben nicht aus. Der zweitälteste Bruder Froila versuchte einen Aufstand. Der Rebell floh nach Kastilien, wurde gefaßt. Nun zeigte Alfonso, daß er auch Aufständische aus der eigenen Familie hart zu bestrafen gewillt war und ließ ihn blenden. Etwa 20 Jahre später wieder Galizien. Ein 7-jähriger Aufstand des mächtigen Herzogs Vitiza (888 bis 895), gefährdete Krone und die Einheit des Reiches. Der königstreue Graf Hermenegildo Gutiérrez besiegte den Aufständigen und führte ihn in Ketten zum König. Der  Getreue wurde mit Amt und Vermögen des Rebellen belohnt. Dessen Schicksal ist nicht bekannt aber mühelos zu erraten. Die Güter der Aufständischen stiftete Alfonso oft Kirchen und Klöstern, z.B. Santiago de Compostella und Sahagún. Auch ohne die Aufstände hätte er sich schweren Aufgaben gegenüber gesehen. Sein Vater hatte ein gut geordnetes, wenn auch im Vergleich zum Emirat armes Reich hinterlassen, jedoch mit einem erweiterten und gesicherten Staatsgebiet. Die leidlich befestigte Südgrenze verlief entlang einer Linie Tuy – Astorga – León und Amaya. Die südlichen Landesteile waren dichter besiedelt.

 

Dorfstraße westlich von Astorga (Provinz León)

 

Seit rund 100 Jahren verlief südlich der Landesgrenze ein breiter Streifen schützenden Niemandslandes, schwach besiedelt, in dem sich christliche und islamische Truppen regelmäßig Scharmützel lieferten und plünderten. Diese Gebiete begann Alfonso später zu besiedeln, ein Zeichen zunehmender Stärke. Er ließ oder holte Mozaraber ins Land, Christen, die unter dem Islam lebten, und von dort für sein im Vergleich unterentwickeltes Land nützliche Fertigkeiten mitbrachten (>> San Miguel de Escalada). Die gezielte Einwanderungspolitik soll im 8. und 9. Jh. erfolgreich gewesen sein. Schon früher kamen geflohene Westgoten zurück. Alles in allem mußte Alfonso die Politik seiner Vorgänger fortsetzen: Landausbau und Besiedlung, Verteidigung des Staatgebietes, und, wo immer möglich, Kampf gegen das Emirat von Córdoba. Bisher war Asturien hier allein aktiv. Die kleineren christlichen Grafschaften in den Pyrenäen waren dazu nicht willens oder in der Lage. Um 876 eroberte er Porto und den Norden des späteren Portugal. Diese Gebiete, schon besser entwickelt als Asturien, baute er weiter aus und besiedelte sie. Spätestens 880 gehörte ein Drittel Portugals zu seinem Reich. 881 fühlte sich Alfonso stark genug, auch weil es dort wieder Unruhen gab, tief in das Emirat einzudringen und zu plündern. Hatte er auch die Besetzung von Al Andalus im Sinn? Wahrscheinlich erkannte er, daß die Kräfte dafür nicht ausreichten. Britannica 2001 meint allerdings, das Emirat sei kurz vor dem Zusammenbruch gewesen. Jedenfalls soll er 2 oder 3 Jahre später einen sechsjährigen Waffenstillstand mit Emir Muhammad I. geschlossen haben, der erhebliche Landgewinne brachte und wohl auch (Tribut)Zahlungen in Form von Gold-Dinaren und Silber-Dirhemen, dringend benötigt, weil das Königreich selbst keine Münzen schlug. Gleichzeitig baute er rund um Burgos Kastelle, auf die der Name des später größten christlichen Königreichs in Spanien, Kastilien, zurückgeht. Ein Erfolg reihte sich an den anderen. Ob Emir Abdullah um 900 Alfonsos Oberherrschaft über ganz Spanien anerkannte ist unsicher. Sollte es stimmen, könnte es zusammen hängen mit mehreren erfolgreichen Feldzügen der Christen gegen des Emirs größten Gegner, Umar ibn Hafsun. Am Ende seiner Regierungszeit wird die Südgrenze entlang des Duero und den Tälern von Mondego, von Simanca über Zamora bis Coimbra verlaufen. Wen wundert es da, daß man Alfonso den Beinahmen „El Magno“ gab und er sich wohl selbst den Kaisertitel zulegte, den er aber auf die iberische Halbinsel beschränkt sehen wollte. Alfonsos politische und militärische Fähigkeiten sollen nicht bestritten werden. Aber seine Erfolge wurden erleichtert durch ein Emirat, das unter unfähigen oder brutalen Herrschern ebenso litt, wie unter einer Reihe von schweren Aufständen. Alfonso III. konnte, trotz aller internen Widerstände 44 Jahre herrschen und in dieser Zeit eine Politik aus einem Guß verfolgen.

 

Palast der Könige von Navarra in Estella, 12. Jh.

 

Verbündete und Gegner

Viel Auswahl hatte Alfonso III. bei Ersteren nicht. Eigentlich war da nur die Region Pamplona an seiner Nordgrenze, überwiegend wohl christlich und mehrheitlich von Basken bewohnt. In der 1. Hälfte des 9. Jh. entstand dort das Königreich Pamplona bzw. Navarra unter Königen der Arista-Familie

 

Die Nachrichten über das 9. Jh. sind spärlich und widersprüchlich. Neben Asturien verfolgte der muslimische Clan der Banu Qasi in der Region Interessen mit wechselndem Erfolg. Die führende Familie war zeitweise mit Ordono I. verbündet. Es gab immer wieder Kämpfe des Clans, auch gegen das Emirat. Der Erbe der baskischen Dynastie, Fortún, soll 860 für 20 Jahre in Córdoba inhaftiert gewesen sein. Vielleicht erklärt das Fehlen der Führung einen möglichen Aufstand seiner Untertanen bei Alfonsos Krönung. Der wichtigste Kontrahent war natürlich das Emirat von Córdoba, das während der Regierungszeit Alfonsos III. politisch schwach war.

 

Puenta La Reina, Navarra – 11. Jh.

 

Es ist lohnend, sich das islamische Spanien etwas näher anzuschauen. Das war beileibe kein monolithischer Block wie man bei oberflächlicher Betrachtung glauben möchte. Die Bevölkerung war heterogen.

 

Da gab es die arabische Oberschicht der Adligen, reichen Grundbesitzer, der Theologen. Sie sah herab auf die Berberbevölkerung, deren Vorfahren erst im 8. Jh. in Nordafrika zum Islam bekehrt worden waren. Als Söldner hatten sie einen großen Anteil an der Eroberung gehabt. Zum Dank hatte man ihnen weniger wertvollen Teile des Landes zur Besiedlung zugewiesen, so auch im Norden, wo sie bei der Rückeroberung durch Asturier vertrieben, getötet oder versklavt wurden.

 

Tor der Moschee von Córdoba (8.-11. Jh.)

 

Neben diesen Muslimen regierte der Emir über Mozaraber, Christen, die das System im Prinzip begrüßten und die große Masse der zum Islam übergetretenen einheimischen Bevölkerung, die Muladies/Muwallads. Zum Zeitpunkt der Krönung Alfonsos III. regierte Muhammad I. (bis 886), der mit einer Reihe schwerer Aufstände zu kämpfen hatte. Zum Beispiel der von 875, als sich Ibn Marwan, aus galizischer Familie und zeitweise mit Alfonso verbündet, auflehnte. Der Emir mußte dem Rebellen wiederholt politische Zugeständnisse machen. Noch gefährlicher war der Aufstand Umar ibn Hafsuns (um 880), von dem Historiker annehmen, er sei westgotischer Herkunft gewesen. Der Rebell beherrschte, unterstützt von Mozarabern und Berbern, mehrere Provinzen. Obwohl 891 geschlagen, konnte erst einer der Nachfahren des Emirs im 10. Jh. dieses Problem lösen.

 

Christo de la Luz, Toledo – ehemalige Moschee, 10. Jh.

 

Alles in allem hinterließ Muhammad I. seinen Nachfolgern Al-Mundhir (886-88) und Abdallah (886-912) einen schwachen Staat. Al-Mundhir hatte seinem Vater als Feldherr mit wechselndem Erfolg gedient. Er starb zwei Jahre nach Regierungsantritt, möglicherweise ermordet durch seinen Bruder Abdallah, der seinen Widersacher, Alfonso III. um 2 Jahre überlebte. Abdallah war ein besonders grausamer Herrscher, der beim geringsten Verdacht der Illoyalität auch die Familie dezimierte. Alle 11 Söhne sollen vor ihm gestorben sein, oft auf seinen Befehl hin ermordet. Unter seinem Regime gingen die Aufstände, vor allem der Muladis und Mozaraber, weiter. Aber auch separatistische Bewegungen durch Umayyaden-Familien bedrohten das Regime. Gefährlich waren die schon erwähnten Banu Qasi, eine muladische Dynastie, wohl zurückgehend auf einen zum Islam übergetretenen westgotischen Grafen. Sie kontrollierte das Ebro-Tal und hatte schon seinen Vorgängern große Schwierigkeiten gemacht. Schließlich rebellierte der Sohn des Emirs, Muhammad, und konnte erst nach langen Kämpfen besiegt werden. Zeitweise beherrschte Abdallah nur noch Córdoba und die unmittelbare Umgebung. Er fing sich aber, vielleicht auch, weil Alfonso III. seinem größten Gegner, Umar ibn Hafsun einige Niederlagen beibrachte.

 

Thron und Kirche

Der Anteil westgotischen Blutes in den Adern der späteren asturischen Könige stand wohl in krassem Gegensatz zu ihren Ansprüchen, Erben des westgotischen Reiches zu sein. Gleichwohl, schon unter Alfonso II. begann der Neo-Gotismus, wie die Historiker sagen, also die Rückbesinnung auf das Westgotenreich und die Übernahme von Riten und Gebräuchen. Die asturische Kirche hatte sich damals vom unter maurischer Herrschaft stehenden Erzbistum Toledo getrennt und eine eigene, westgotischer Tradition verpflichtete, Organisation geschaffen. Oviedo wurde Sitz eines unabhängigen Bistums. Alfonso III. förderte diese Tendenz, auch unter dem Einfluß zugewanderter mozarabischer Kleriker. Das westgotische Erbe wurde Teil der asturischen Identität. So fühlten sich die asturischen Könige legitimiert zur Rückeroberung. Der Kaisertitel, falls ihn Alfonso III. denn getragen haben sollte, wäre ein deutliches Signal gewesen. Es half das Grab in Santiago de Compostella, in dem angeblich die Gebeine des Apostels Jakobus des Älteren ruhten, zu schmücken. Schon Alfonso II. hatte ihm ein kleines Gotteshaus gebaut. Unter Alfonso III. wurde Jacobus zum Nationalheiligen, Santiago de Compostella zur Pilgerstätte. Noch kamen keine Scharen von Anbetern aus dem Ausland, aber von ersten asturischen Pilgern um die Mitte des 10. Jh. wird berichtet.

 

Kathedrale  Santiago de Compostella, ab 11. Jh., Mischstil –Barock-Fassade 18. Jh.

 

Der König führte seine Siege auf Jacobus zurück, der dem Heer auf einem Schimmel voran ritt. Später trug der Apostel den Beinamen „Matamoros“ (Maurentöter). Seine Bedeutung war so groß, daß Santiago de Compostella im Rang höher stand als ein Erzbistum. Auf  die Motivation der Christen zur Reconquista hatte die Jacobus-Verehrung großen Einfluß.

  

Förderer der Künste

Trotz der Mühen, die Politik und Kriege ihm auferlegten, hatte der König auch andere Interessen. Offensichtlich war er historisch interessiert. Er ließ die nach ihm benannte Chronik (Crónica de Alfonso III) schreiben, wenn er nicht gar selbst daran mitgearbeitet hat, wie viele Historiker glauben. Sie ist die wohl wichtigste Quelle für die Geschichte dieser Epoche. Während seiner Herrschaft wurden die Kirchen San Salvador de Priesca und San Salvador de Valdediós gebaut, neben der er einen Palast errichtet haben soll. Santiago de Compostella hat ihn sehr beschäftigt. Er legte dort ein Bauprogramm auf und immer wieder liest man von Stiftungen. Bei der Weihe der neuen Kirche durch Bischof Sisnandus war selbst anwesend.

 

Siegeskreuz (Wikipedia)

 

Das Ende

Fast alle Informationen gehen vom Sterbejahr 910 aus. Über das Schicksal seines Reiches bzw. die Gründe für die Reichstrennung wird meist nicht gesprochen. Wenn aber doch, wird nur neutral über die Aufteilung des Reiches unter seine drei Söhne berichtet. Watts jedoch deutet Aufstände an, in dessen Verlauf der König vom ältesten Sohn García, der in León sein Nachfolger wurde, zu Abdankung und Reichsteilung gezwungen worden sei. Hinweise darauf finden sich auch bei Pierer und in anderen Dokumenten. Ich teile diese Ansicht. Kaum vorstellbar, daß ein Monarch, der über 4 Jahrzehnte für Sicherung und Ausdehnung des Reiches erfolgreich kämpfte, es angesichts eines immer noch mächtigen Gegners freiwillig durch Teilung schwächte. Durch den frühen Tod zweier Brüder kamen die Reichsteile jedoch bald unter dem zweitältesten Sohn, Ordono II. wieder zusammen.

 

Literatur

Caucci von Saucken, Paolo, (Hrsg.) Santiago de Compostella, Pilgerwege, Weltbild-Verlag GmbH., Augsburg 1998 – aus dem Spanischen, S. 28, S. 39, S. 61ff

Collins, Roger, The Basques, Basil Blackwell, Ltd., Oxford, UK, 1986, S. 115ff

Crespi, Gabriele, Die Araber in Europa, Belser Verlag, Stuttgart/Zürich, Sonderausgabe 1992, S. 57f, 92f

Gabrieli, Francesco, Bedeutung des Islam für das westliche Europa, in: Mohammed und Karl der Große, Belser Verlag, Stuttgart/Zürich, Sonderausgabe 1993, S.183ff

Koch, H.W., Illustrierte Geschichte der Kriegszüge im Mittelalter, Bechtermünz Verlag, Deutsche Erstausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1998, S. 40

Mathew, Donald, Atlas of Medieval Europe, Equinox (Oxford) Ltd., Oxford, 1983,

Ploetz, der Grosse, Daten Enzyklopädie der Weltgeschichte, Verlag Herder Freiburg, Sonderausgabe für Zweitausendeins, 32. Auflage,

Untermann, Mathias: Architektur im Frühen Mittelalter, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006, S. 83f, 124ff

Williams, Mark, The Story of Spain, Lookout Publications, 1990, S. 50ff

 

Internet

Bonnaz, Yves, Chroniques Asturiennes,
de.wikipedia.org/wiki/Pelayo

Payne, Stanley G.The Early Christian Principalities and the Expansion of Asturias-León, in: A History pf Spain and Portugal, (The Library of Iberian Resources online)
http://libro.uca.edu/payne1/spainport1.htm

Watts, Henry Edward, The Christian Recovery of Spain, in: Medieval History
http://www.third-millennium-library Weinrich, Isabel, Überlegungen zur spanischen Geschichtskonstruktion am Beispiel der Chronik .Alfons III..
http://books.google.de/books?id=GpnMGPlVg-cC&pg=PA11&lpg=PA11&dq=Asturien+Armee&source Asturias & León, Kings in: Medieval Lands
http://fmg.ac/Projects/MedLands/ASTURIAS,%20LEON.htm Pierer's Universal Lexikon, Spanien
http://de.academic.ru/dic.nsf/pierer/58256/Spanien Alfonso III. El Magno
http://galeon.com/medievo000/alfonsoIII_magno.htm
Kingdom of Asturias (9th - 10th cent.)
http://www.medievaltimes.info/medieval-europe-9th-to-13th-century/kingdom-of-asturias.html El lugar de Oviedo hasta el siglo VIII
http://terraeantiqvae.com/profile/CarlosSanchezMontana Verschiedene Wikipedia-Dokumente

 

Lexika

Oviedo, Encyclopaedia Britannica, 2001, Deluxe Edition, CD, Britannica Co. Uk
The Christian states, 711-1035, ebd. (from: Spain, history of)

Alfonso III., ebd.
Navarre, ebd.
Galicia, ebd.
The independent emirate ebd. (from: Spain, history of)