lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte

chronologien jahrhunderte

8. Jahrhundert: Übersicht

 

Der Islam ist in Europa und vernichtet das schwache Reich der Westgoten. Die starken Franken verhindern weiteres Vordringen. Nach der Unterwerfung der germanischen Sachsen und des Langobardenreiches greift Karl der Große nach der Kaiserkrone. Er sieht sich auf gleicher Augenhöhe mit den Nachfahren der römischen Cäsaren in Konstantinopel, noch immer christliches Bollwerk gegen die Anhänger des Propheten.

 

Die Dynastie der Karolinger festigt sich weiter, als Karl Martells ältester Sohn, Karlmann, ins Kloster geht. Pippin III., "Der Jüngere", wird Alleinherrscher und 751 erster Karolingerkönig. Nach seinem Tod steht wieder ein Bruderpaar bereit, das Land nach der germanischen Erbfolgereglung zu teilen, Karl und Karlmann. Und es wiederholt sich das Drama der letzten Generation. Der diesmal jüngere Karlmann geht nicht ins Kloster, sondern stirbt etwa 20-jährig. Karl, den man später "den Großen" nennen wird, ist mächtiger Alleinherrscher.

 

Er festigt das Reich, besiegt Sachsen, Awaren und Langobarden. Mit der karolingischen Renaissance hinterläßt er ein bedeutendes kulturelles Erbe.

 

Die Herzogtümer der Bajuwaren und Alamannen werden endgültig dem Frankenreich einverleibt.

 

Die Friesen bleiben tüchtige und erfolgreiche Händler, verlieren aber ihre Unabhängigkeit an die Franken. Das Christentum kann sich nicht endgültig festsetzen. Bonifatius wird erschlagen.

 

Auch die Sachsen widersetzen sich der Missionierung. Nach vorhergehenden Scharmützeln und Einfällen der Franken schon unter Karl Martell und Pippin Anfang des Jahrhunderts beschließt Karl 772, ein Jahr nach übernahme der Alleinherrschaft, den Sachsen das Christentum mit dem Schwert zu bringen. Er zerstört das Zentralheiligtum, die Irminsul. Nach fünf Jahren unterwerfen sich auf einem Reichstag in Paderborn die meisten Edelinge. Freie Bauern unter Herzog Widukind kämpfen, teilweise erfolgreich, weiter. Karl versucht die Sachsen durch Menschenrechtsverletzung aller Art, wie Massenhinrichtung und Umsiedlungen, zu unterwerfen. Aber selbst nach Widukinds Taufe 785 kämpft ein Teil weiter, bis ins 9. Jahrhundert hinein.

 

Anfang des Jahrhunderts schlägt für ein weiteres germanisches Reich die Stunde: 711 wird Roderich, der letzte König der Westgoten durch aus Nordafrika übersetzende Mauren (Berber und Araber) vernichtend geschlagen. Er verliert Reich und Leben. Zum ersten Mal erreicht der Islam europäischen Boden.

 

Die neuen Herren erobern innerhalb weniger Jahre bis auf Bergregionen im Norden die iberische Halbinsel, und dringen nach Südfrankreich vor. Das maurische Spanien wird Emirat, abhängig vom Kalifat in Damaskus. Nach der Vernichtung der dortigen Omaijden-Dynastie durch die Abbassiden, flüchtet der letzte Omaijade, Abd Ar Rahman, und wirft sich 756 zum Emir eines vom Abbassiden-Kalifats unabhängigen Emirats in Córdoba auf.

 

Die nicht eroberte kleine Region im Norden ist Ausgangspunkt der Reconquista (Wiedereroberung). Von Westgoten regierte oder beeinflußte christliche Königreiche in Asturien und Galizien erobern Stück für Stück den Norden zurück.

 

Solidus - römische Goldmünze (Quelle: Wikipedia [en], Autor: Panairjdde).
 
 

Unter König Liutprand (712-44) sind die Langobarden in Italien auf der Höhe ihrer Macht. Sie verbünden sich mit Karl Martell gegen die Mauren. Aber der ab 759 regierende Aistulf beginnt einen Konflikt mit den Päpsten, die von den Franken unterstützt werden. Ihnen können auch die Langobarden nicht widerstehen. 774 kommt das Ende. Karl der Große erobert die Hauptstadt Pavia. Der letzte König, Desiderius, Schwiegervater Karls, wandert ins Kloster und in den baldigen Tod. Auch ein großer Langobardenaufstand in Friaul kann das Reich nicht wieder herstellen.

 

Im wechselreichen Schicksal der sieben Königreiche der Angelsachsen in England, gelingt es dem Mittelreich Mercia zeitweise die Vorherrschaft zu erlangen. Offa, dem die Historiker gute Beziehungen zu Karl dem Großen nachsagen, nennt sich als erster "König von England". Er kämpft weiter gegen die Kelten. Um sich von Wales abzugrenzen, baut er einen nach ihm benannten 270 km langen Schutzwall. Das angelsächsische Christentum steht nun auf sicherer Grundlage, aber gegen Ende des Jahrhunderts beginnen die verheerenden Wikinger-Angriffe. Berühmte Klöster, wie Lindisfarne werden geplündert. Unermeßliche Schätze gehen verloren.

 

In Irland schlagen sich die Clans weiterhin um die Vorherrschaft. Einige bezeichnen sich ab Mitte des Jahrhunderts als "Könige von Irland". Viele Klöster ersetzen die Holz- durch Steinbauten und werden zu geistlichen und wirtschaftlichen Zentren.

 

In Scandinavien hat Schweden trotz der Ausbildung und Festigung größerer Herrschaftsgebiete noch nicht zur staatlichen Einheit gefunden. In Dänemark bilden sich Kleinkönigreiche. Eines hat immerhin nach 737 einen Wall (Danevirke) von Ost- zur Nordsee errichtet. In Norwegen beginnt schon um die Mitte des Jahrhunderts die Wikingerzeit, zunächst vornehmlich mit Handelsfahrten.

 

Die Christianisierung nördlich der Alpen schreitet fort, trotz einiger Rückschläge. Die wichtigen Klöster St. Gallen, Reichenau und Fulda entstehen. Der Kirchenstaat nimmt Gestalt an. 799 flieht Papst, Leo III., vor seinen Feinden aus Rom zu Karl dem Großen, dem er ein Jahr später die Kaiserkrone aufsetzen wird.

 

Khan Krum der Protobulgaren (Quelle: Wikipedia [de], Lizenz: Public Domain).
 
 

Kroaten und Serben sitzen an der Adria, andere Südslawen sind bis in die Steiermark und nach Kärnten vorgedrungen. Slowenen werden von Salzburg aus missioniert. Die Westslawen dehnen sich weiter im heutigen Ostdeutschland aus.

 

Die islamische Bedrohung ist für Byzanz real geworden. Konstantinopel wird 717 ein Jahr lang vergeblich belagert. Anfang des Jahrhunderts verlassen die letzten Byzantiner Nordafrika. Die Kornkammer des Reiches, kaum von den Vandalen zurück gewonnen, wird von muslimischen Arabern und Berbern erobert. Das Reich erlebt blutige Thronwirren, ehe Basileus Leon III. 717 eine neue (syrische) Dynastie gründet, die rund einhundert Jahre Bestand haben wird. Leon III. bringt den Muslimen in der Schlacht bei Akroinon 740 eine weitere Niederlage bei. Sein Sohn Konstantin kämpft erfolgreich gegen Bulgaren und Araber. Anderseits schwächt der Streit um die Bilderverehrung das Reich. Erst auf dem zweiten Konzil von Nicäa siegen die Befürworter, allerdings mit Einschränkungen.

 

Der Islam erreicht seine bisher größte Ausdehnung. Vor allem Byzanz und das Frankenreich verhindern die Ausdehnung nach Europa.