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6. Jahrhundert: Übersicht

 

Mit der Eroberung Italiens durch die Langobarden endet die große Wanderung der germanischen Völker. Aber sechs germanische Reiche gehen unter, ausgelöscht durch "Brudervölker" oder das wieder erstarkte Ostrom. Während das Christentum im Norden mühsam missioniert, geht mit Mohammeds Geburt in den arabischen Wüsten der Stern einer neuen Weltreligion auf.

 

Rufen wir uns die Ereignisse dieses Jahrhunderts ins Gedächtnis zurück, steht "Germanisches" im Vordergrund.

 

Die im Machtvakuum Westroms gegründeten germanischen Reiche haben sehr unterschiedliche Schicksale.

 

Nur die Franken werden sich dauerhaft behaupten können. Chlodwig, aus dem Königsgeschlecht der Merowinger, hatte alle fränkischen Kleinreiche unter seiner Führung vereinigt. Seine katholische Taufe, von Frankreich als Geburtsstunde der Nation gefeiert, ist einer der Gründe für den Erfolg. Das Frankenreich wird trotz wiederholter Teilungen und grausamer Bruderkämpfe unter den Merowingern mächtig. Ende des Jahrhunderts beherrschen sie den größten Teil Galliens.

 

Bei den Alamannen, wohl schon im heutigen Sprachraum und politisch mit den Franken verbunden, beginnt die Christianisierung.

 

Auch die Bajuwaren unter dem Herzogsgeschlecht der Agilolfinger sind politisch von den Franken abhängig. Von dort ausgehend beginnt auch bei ihnen die christliche Mission.

 

Die Friesen beginnen durch Handel wohlhabend zu werden und dehnen gegen Ende des Jahrhunderts ihr Siedlungsbiet im Osten bis zur Weser aus.

 

Die durch Abwanderung nach Britannia ausgedünnte Bevölkerung der "Festlandsachsen" wird wieder zahlreicher. Sie helfen, ausnahmsweise verbündet mit den Franken, das Thüringer-Reich zu zerstören und nehmen einen Teil in Besitz. Andererseits nehmen Grenzstreitigkeiten und gegenseitige überfälle zwischen Franken und Sachsen zu.

 

Kaiser Justinian I. Mosaik San Vitale Ravenna. (Quelle: Wikipedia [de], Lizenz: Public Domain)

Die im Süden der ehemaligen Provinz Gallien siedelnden Westgoten gewinnen Macht und Einfluß, werden aber von den Franken zur iberischen Halbinsel abgedrängt. Die dünne westgotische Oberschicht, auch weil arianisch, hat Probleme mit der von ihnen beherrschten katholischen Mehrheit und deren Eliten. Gegen Ende des Jahrhunderts treten die Goten unter Rekkared zum Bekenntnis ihrer Untertanen über, ein wichtiger Schritt, den Chlodwig rechtzeitiger getan hatte.

 

Die Langobarden setzen sich ab 568 für etwa 200 Jahre in Italia fest. Damit gilt die Völkerwanderung als beendet. Aus den Anfängen des Königsgeschlechts im neuen Siedlungsraum berichten die Quellen von Meuchelmorden und Grausamkeiten. Erst 616 wird ein König (Agilulf) eines natürlichen Todes sterben.

 

Sechs germanische Reiche verschwinden im Laufe dieses Jahrhunderts im Dunkel der Geschichte:

 

 

In Britannia vermögen die keltischen Stämme die germanischen Eindringlinge vorübergehend aufzuhalten. Nach kurzer Friedensperiode und erneuten Wirren bei den Romano-Briten dringen die Angelsachsen weiter vor. Es formen sich bei ihnen sieben Königreiche heraus, die sogenannte "Heptarchie". Ein König übt jeweils eine Art Oberherrschaft, "Bretwalda", aus. Die Westsachsen haben mit Ethelbert, dem König von Kent, einen ersten bedeutenden Herrscher und Oberkönig. Er fördert den Ende des Jahrhunderts aus Rom kommenden hl. Augustinus und damit den Beginn der römischen Mission.

 

In Irland, hat sich eine keltisch-christliche Klosterkultur ausgebreitet. Sie setzt sich allmählich auch in Schottland durch. Iro-schottische Mönche missionieren im Frankenreich.

 

Im heidnischen Skandinavien regt sich politisch organisiertes Leben. Vor allem in Norwegen bilden sich Zentren mit lokalen Herrschern, die ihre Macht nicht Landbesitz, sondern einer möglichst großen Anhängerschar und seetüchtigen Schiffen verdanken (See- und Heerkönige). In Jütland, der Heimat der nach Britannia gezogenen Angeln, siedeln aus Schonen herüber gekommene Stämme.

 

Für das europäische Christentum bedeutsam: Benedict von Nursia gründet 529 das erste Benediktiner-Kloster und damit einen der ganz großen katholischen Orden, nach dessen Gebot ora et labora noch heute etwa 40.000 Mitglieder in aller Welt leben. Das Papsttum ist schwach bis 590 mit Gregor I. ein Großer den Stuhl Petri besteigt.

 

Arabische Kalligraphie (Quelle: Wikipedia [de], Lizenz: Public Domain)

Die große Figur des Jahrhunderts im byzantinischen Reich ist Justinian II., der Große, der 527-65 regiert. Er schließt Frieden mit den Persern, um bei den germanischen Reichen im Westen freie Hand zu haben. Nach erneuter Kontrolle über das Mittelmeer knüpft Byzanz vorübergehend an alte Größe an. Justinian II. hinterläßt wichtige Gesetzeswerke und schlägt den Nika-Aufstand nieder, der angeblich 30.000 Tote fordert.

 

Slawenstämme siedeln an der Donau und breiten sich aus. Die reichen römischen Provinzen auf dem Balkan werden geplündert. Südslawen greifen immer wieder Byzanz an, dem der Kampf gegen die Germanen wichtiger ist als der Schutz der Balkan-Provinzen. Um 550 versuchen die Slawen das heutige Thessaloniki zu erobern.

 

Mit der Geburt Mohammeds (um 570) erwächst Byzanz und vielen anderen Völkern ein neuer Gegner: Der Islam.











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