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Die Situation um das Jahr 500

 

Die Völkerwanderung ist noch nicht verebbt. Ein schwaches Byzanz kann erste germanische Reiche nicht verhindern. Das der Franken hat Bestand. Die Ostgoten in Italien und das Wandalenreich in der Kornkammer Nordafrika sind baldigem Untergang geweiht, wozu der Gegensatz zwischen römischen und arianischen Christen beiträgt.

 

Karte Völkerwanderung (Quelle: Wikipedia [de], Lizenz: Public Domain.

"Mein" Mittelalter beginnt mit dem Jahr 500. Auf dieser Basis bauen die kommenden 1000 Jahre auf:

 

Im Chaos des untergegangenen Römischen Reiches, schon 395 in West- und Ostrom zerfallen, tauchen im Zuge der von den Hunnen um 370 im Schwarzmeerraum angestoßenen Völkerwanderung germanische Reiche auf.

 

Das Weströmische Reich endete 476, als der Germane Odoaker den letzten Kaiser Romulus Augustus absetzte. 20 Jahre zuvor hatte sich sein Vorgänger Valentinian III. den Luxus erlaubt, seinen fähigsten Feldherrn, Aetius, ermorden zu lassen, den Mann, der die Eroberung Europas durch die Hunnen 451 durch den Sieg auf den Katalaunischen Feldern verhindert hatte.

 

Das machte in Gallien den Weg frei für die westgermanischen Franken. Im Gegensatz zu den Ostgermanen blieben sie ihrer ursprünglichen Heimat am Niederrhein trotz aller Eroberungen räumlich verbunden, ein wichtiger Grund ihres Erfolges. Positiv auch der Übertritt ihres heidnischen Königs Chlodwig zur Religion seiner neuen Untertanen, dem Katholizismus. Zum Zeitpunkt unserer Betrachtung hat dieser Stamm den Norden des heutigen Frankreichs erobert.

 

Südwestliche Nachbarn der Franken sind die von ihnen abhängigen Alamannen, die im Osten, im Alpenvorland mit den Bajuwaren (Baiern) auskommen müssen.

 

Die Burgunder, ursprünglich aus dem Ostseeraum kommend, von Hunnen und Aetius vom Mittelrhein vertrieben (Nibelungen-Sage), siedeln südlich des Frankenreiches in der Gegend des heutigen Savoyen.

 

Der durch Aufnahme anderer Stämme in den letzten Jahrhunderten stark gewordene Großverband der heidnischen Sachsen in Nordwestdeutschland hat keinen König, sondern - als einziges unter den Germanenvölkern - gewählte Gaufürsten. Ein Teil der Bevölkerung war Mitte des 5. Jahrhunderts nach Britannia gezogen; die Wirren der Völkerwanderung hatten die Sachsen aber weitgehend verschont.

 

Auch für die kurz nach Beginn unserer Zeitrechnung in Skandinavien aufgebrochenen Goten, die im 3. Jahrhundert im Schwarzmeerraum eine Heimat gefunden hatten, war der Weg ins ehemalige Westrom frei. Am Schwarzen Meer hatten sich Ost- und Westgoten getrennt. Im 4. Jahrhundert wurden sie durch Bischof Wulfila bekehrt und damit, wie alle wandernden Germanenstämme, Arianer.

 

Santa Maria, Quintanilla de las Viñas (Burgos).

Um 500 haben die Westgoten nach 40-jähriger Wanderschaft im Südwesten Galliens ihr Tolosanisches Reich mit Mittelpunkt Toulouse errichtet und auch große Teile der ehemaligen römischen Provinz Hispania erobert, die sie mit den im NW siedelnden Sueben teilen.

 

Die Ostgoten nutzen die Schwäche des Byzantinischen Reiches (Ostrom) und erobern Italia und einen Teil des Balkans. Seit 497 regiert Theoderich als König und kaiserlicher Regent mit Sitz in Ravenna.

 

Friesen sind heidnische Nordseegermanen wie Angeln und Jüten. Wie die Sachsen haben sie einen Teil ihrer Bevölkerung durch Auswanderung nach England verloren.

 

Die westgermanischen Langobarden, ursprünglich von der unteren Elbe kommend, sitzen noch in der ehemaligen römischen Provinz Pannonia nördlich des heutigen Kroatien, ehe sie in Italia einfallen. Ihre Oberschicht ist arianisch, das Volk heidnisch.

 

Grabmal Theoderich d. Großen.

Nach dem Abzug der Römer um 410 war auch in Britannia das Chaos ausgebrochen. Nach Vorhuten aus früheren Jahrzehnten waren um die Mitte des 5. Jahrhunderts Angeln, Sachsen und Jüten über See ins Land gekommen, teils von keltischen Romano-Briten zur Bekämpfung der von Norden einfallenden heidnischen Picten und Scoten angeworben, teils uneingeladen. Um 500 versuchen die oft zerstrittenen Kelten den Angelsachsen zu widerstehen, die sie am Ende doch, trotz heftigen Widerstandes, an die Ränder der Insel und in die Bretagne abdrängen werden. Reste ihres christlichen Glaubens, noch aus der Römerzeit überliefert, erhalten sich bei ihnen.

 

Im politisch zerrissenen Irland, von den Römern nie erobert und von der Völkerwanderung unberührt, missionierte um 450 der Hl. Patrick. Die Mission war hier ohne Feuer und Schwert ausgekommen.

 

über die in Skandinavien verbliebenen heidnischen Germanenstämme wissen die Historiker wenig. Es entstehen Kleinkönigreiche ohne politische Bedeutung für das europäische Gesamtbild, wie z.B. das der Svear um Uppsala. Dänen siedeln auf Schonen.

 

Wohl von der Oder kamen die arianischen Vandalen, deren Name trotz der Plünderung Roms 455 zu Unrecht für blinde Zerstörungswut steht. Ihr Königreich in der ehemals byzantinischen Kornkammer Nordafrika bestand zum Zeitpunkt dieser Betrachtung schon etwa 70 Jahre und ist durch Verfolgung der katholischen Unterworfenen, Thronwirren und Angriffe der Berber geschwächt.

 

Das oströmische Reich (Byzanz) mit der Hauptstadt Konstantinopel betrachtet sich als einziger legitimer Erbe des untergegangenen Gesamtreiches. Um 500 ist es nicht auf der Höhe seiner Macht. Neben den Gebietsverlusten an die Ostgoten hatte es die Kornkammer Nordafrika an die aus Hispanien übersetzenden Wandalen unter Geiserich verloren.

 

Von den Slawen ist aus dieser Zeit wenig bekannt. Sie sitzen an der Weichsel und der unteren Donau. Byzanz soll die Bulgaren bereits gegen die Ostgoten einsetzen.

 

*) Anmerkung:

 

Arianismus (nach Arius) ist eine theologische Richtung, die grob gesprochen die Wesensgleichheit Gottes mit seinem Sohn bestreitet, sondern Jesus als Gottes erste Kreatur sieht. In der Mitte des 4. Jh. ist Arianismus die offizielle Glaubenslehre des römischen Reiches. Später als Häresie verurteilt.











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