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11. Jahrhundert: Übersicht
 

Erwarteter Weltuntergang im Jahre 1000 – Fehlanzeige. Im Römischen Reich übergeben die Ottonen den Saliern das Zepter. König und Papst setzen sich gegenseitig ab. Normannen erobern England und Süditalien. Amerika wird entdeckt, und niemand merkt es. Das Jahrhundert endet mit dem Beginn der blutigen Kreuzzüge.
 

 

Das Römische Reich

 

Ende der sächsischen Dynastie

Karlsschrein in der Pfalzkapelle Aachen


Der herrschende Ottone, Kaiser Otto III., beginnt das erste Jahr des neuen Jahrtausends mit einem Aufsehen erregenden Akt. Er läßt das Grab Karls des Großen in der Die Pfalzkapelle Karls des Großen öffnen. Will er einen neuen Kult? Soll ein Abglanz des Kaisertums Karls auf ihn fallen?

 

Otto III. / Reichenauer Evangeliar (Wikipedia)

Es ist eine der letzten Taten des Theophanu-Sohnes. Zwei Jahre später stirbt er, erst 21, in Italien, das er zum Schwerpunkt seiner Herrschaft machen wollte. Mit ihm endet nicht die Dynastie, wohl aber der Einfluß ihres sächsischen Hauptzweiges.

 

Herzog Heinrich IV. von Bayern, der Urenkel des Dynastie-Gründers, wird im gleichen Jahr als Heinrich II. zum deutschen König gewählt, späte Genugtuung für die Nebenlinie. 984 hatte der Vater des neuen Königs vergeblich versucht, dem 4-jährigen Otto III. die Krone zu rauben.

 

Heinrich II. ist primär am Reichsteil nördlich der Alpen interessiert. Er verwickelt sich in häufige und wechselhafte Kämpfe mit dem polnischen Herrscher Boleslaw. Aber es gelingt ihm, 1014 bei einem seiner drei Italienzüge in Rom zum Kaiser gekrönt zu werden.

 

Grab Kaiser Heinrich II. und Gemahlin Kunigunde im Dom zu Bamberg

10 Jahre später markiert sein Tod das Ende der Liudolfinger-Dynastie, die das Reich 105 Jahre lang regiert hatte.

 

Im nächsten Jahrhundert erregt Heinrich II. noch einmal Aufsehen. Als einziges deutsches Kaiserpaar werden er und Gemahlin Kunigunde heilig gesprochen, wegen angeblicher Josefsehe und tatsächlicher umfangreicher Stiftungen an die Kirche, darunter die Gründung des Bistums Bamberg.

 

 

 

 Beginn der Salier-Dynastie

 

Auch das nachfolgende Geschlecht bestimmt über 100 Jahre lang das Schicksal des Römischen Reiches.

 

Der Schwerpunkt bleibt in Süddeutschland. Ein 34-jähriger Franke, ohne Herrschaftsrecht, aber aus herzoglicher Familie, wird 1024 zum Begründer der Dynastie.

 

Konrad II. gilt als wenig gebildet aber tatkräftig. Mit nur 3-jährigem Abstand zur Königswahl krönt ihn Papst Johannes XIX. in Rom zum Kaiser. Die endgültige Eingliederung Burgunds ist des Kaisers Verdienst, ebenso die Stiftung des Der Dom zu Speyer als Grablege seines Geschlechtes.

 

Überdimensionale Nachbildung der Grabkrone Konrad II. im Dom zu Speyer

1028 wird der einzige Sohn als Heinrich III. in Aachen Mit-König.

 

Als kinderlos 1032 König Rudolf III. von Burgund im Sarg ruht, trägt Konrad ein Jahr darauf auch dessen Krone. Burgund geht im Reich auf. Obwohl nicht alle Großen einverstanden sind, huldigen sie bald darauf dem Salier.

 

1039 stirbt Konrad II., 49 Jahre alt. Er wird in der Baustelle seines Dom zu Speyer bestattet.

Im Vergleich zur Regierungszeit seines Sohnes, vom Enkel ganz zu schweigen, war die 15-jährige Herrschaft wenig aufregend. Gut für die Untertanen. Langweilige Zeiten für Historiker bedeuten für das Volk relativen Wohlstand. Aber - es ist die Ruhe vor dem Sturm.

 

Heinrich III. schon Herzog von Schwaben und Bayern, hat einen guten Start mit reibungslosem Machtübergang. Durch Bischöfe gut ausgebildet, führt er die Politik des Vaters zunächst weiter.

Der neue König unterstützt die vom Kloster Cluny in Burgund ausgehenden Reformbestrebungen der Kirche.

 

Grab Papst Clemens II. (Suitger v. Bamberg) im Dom zu Bamberg

Zunächst schafft er Ordnung in Rom, wo sich die korrupten Vertreter des römischen Stadtadels um den Thron Petri streiten. Als der König 1046 eine Synode in Sutri einberuft, sitzen ihm 3 Päpste gegenüber. In einer beispiellosen Demonstration kaiserlicher Macht läßt er sie absetzen und den Bischof von Bamberg, Suidger, aus seinem Gefolge am 25. Dezember zum neuen Papst wählen. Als Clemens II. schmückt der sofort die Häupter seines Förderers und dessen Gemahlin mit der Kaiserkrone.

 

Auch Heinrich III. baut an der Grablege der Dynastie in Speyer und plant die Verlängerung des Langhauses auf 134 m.

 

Grab Heinrich III. in der Kaiserpfalz zu Goslar (Ulrichskapelle)

Viel zu früh verläßt er 1056 mit 39 Jahren Reich und Familie. Sein Leib wird in Speyer, sein Herz in der Pfalz Goslar bestattet.

 

Heinrich IV. ist sechsjährig, aber schon Mitkönig als der Tod seines Vaters ein schockiertes Reich hinterläßt. Regentin ist Agnes, die Mutter des Kindes, bigott und wenig fähig. Durch die willkürliche Ernennung von Herzögen, später die größten Feinde ihres Sohnes, schwächt sie die Zentralgewalt.

 

In diesem politischen Klima kann das Unerhörte geschehen: Erzbischof Anno II. von Köln entführt 1062 straflos den minderjährigen König und macht sich zum Regenten.

 

Mündig mit 15 Jahren, übernimmt Heinrich IV. selbst die Regierung. Agnes zieht sich nach Italien zurück.

 

Kurz darauf wird er mit einem Aufstand der nordwestlichen Slawen konfrontiert. Brennende Klöster und Kirchen beleuchten den Untergang des Missionswerkes.

 

Grabplatte Rudolfs v. Rheinfelden (Merseburger Dom)

1074 besiegt der junge König die aufständischen Sachsen und kann nun die geplanten Zwingburgen rund um ihr Kerngebiet, den Harz, bauen.

 

Ein Jahr zuvor war mit der Inthronisation Papst Gregors VII. der seit einiger Zeit schwelende Konflikt zwischen Königtum und Kirche eskaliert. Die Kirche will sich von der Abhängigkeit der Krone befreien, ja sie ihrerseits beherrschen, und sie will ihre Reformen durchsetzen. Der Investiturstreit beginnt und kumuliert 1076/77 in Heinrichs Bußgang nach Canossa.

 

Der Papst löst den Bann, aber die Großen des Reiches mißachten die getroffenen Vereinbarungen, setzen Heinrich ab und wählen den Schwabenherzog Rudolf von Rheinfelden zum König.

 

Doch Heinrich kämpft und schlägt 1080 Rudolf, der kurz darauf an einer Verwundung stirbt. Unverdrossen wählen Heinrichs Gegner einen neuen Gegenkönig, Graf Hermann von Salm, der ohne Bedeutung zu erlangen 1088 stirbt.

 

Als Gregor VII. den König erneut bannt, die deutschen Bischöfe den Papst absetzen und Erzbischof Wibert von Ravenna zum Gegenpapst ernennen, sieht Heinrich 1081 die Zeit für einen Italienzug gekommen.

 

Eingang zum jüdischen Ritualbad in Speyer

Erst 1083 kann der König Rom erobern. Gregor ist in die uneinnehmbare Engelsburg geflohen. Jetzt wird der Gegenpapst als Klemens III. inthronisiert, der der ihn Ostern 1084 zum Kaiser krönt. Die Ähnlichkeiten mit dem Jahr 1046 sind unübersehbar.

 

Das Italien-Abenteuer ist noch nicht beendet. Die Normannen kommen aus dem Süden, vertreiben die Deutschen, befreien Gregor und verwüsten Rom so verheerend, daß die Stadtbewohner sich erheben und Besatzer und Gregor aus der Stadt jagen. Der stirbt 1085 verbittert in der Verbannung in Salerno.

 

Der Dom zu Speyer – Ostgruppe

Irgendwann in dieser Zeit, vielleicht als Zeichen seines Triumphes, läßt der Kaiser den Dom zu Speyer teilweise abreißen und vor allem die Ostteile neu errichten.

 

Nach der Königskrönung seines ältesten Sohnes Konrad im Jahre 1087 kehrt nun Ruhe ein. Oder?

 

Nein. Heinrich IV. muß 1090 noch einmal nach Italien aufbrechen, um einen Zusammenschluß seiner süddeutschen Gegner und oberitalienischen Feinde zu verhindern. Der Aufenthalt im Süden des Reiches sollte dieses Mal sieben Jahre dauern.

 

Salische Kaiser – von links – Konrad II., Heinr. III, Heinr. IV, Heinr. V

Als er zurückkommt, hat er seine Ziele in Italien erreicht, aber ein schlimmerer Schlag trifft ihn, der Abfall seines ältesten Sohnes Konrad, der sich die Krone der Lombardei aufsetzt.

 

Das zwingt Heinrich IV., 1098 den Ältesten abzusetzen und den jüngeren Sohn als Heinrich V. zum König wählen zu lassen, der, um da vorzugreifen, zu Anfang des nächsten Jahrhunderts den Vater gefangen nehmen und absetzen wird.

 

 

 

 

Übrige Gebiete

 

Iberische Halbinsel

 

Stadttor „El Grande”, Avila

 

Nach dem Tod des großen al-Mansur 1002 zerfällt fast zwangsläufig das Kalifat von Córdoba und löst sich 1030 in viele Kleinkönigreiche (Taifas) auf.

Ein Aufatmen geht durch den christlichen Norden. Sancho Garcés III., Kg v. Navarra + Aragon, Graf von Kastilien, bringt zunächst durch Eroberung und Erbschaft fast das gesamte christliche Spanien unter seine Herrschaft. Der Pilgerweg nach Compostella wird frei gekämpft.

Die Reconquista hat weitere Erfolge, auch wenn Sancho Garcés 1035 sein Reich unter seine Söhne aufteilt. Teilweise kämpfen Taifa-Herrscher gegeneinander. Viele sind christlichen Reichen tributpflichtig.

 

Die Schriften des Aristoteles werden wieder entdeckt.

 

Alcántara Brücke, Toledo

Der größte Erfolg der Reconquista ist 1085 die Eroberung Toledos durch Alfons VI. von León+Kastilien.

 

Ein Jahr darauf erlebt das muslimische Spanien eine Invasion nordafrikanischer Berber, der Almoraviden. Die anspruchslosen Wüstenkrieger legen den Islam strikt aus und verachten ihre verweichlichten Glaubensbrüder in Andalusien. Die Zeit der Toleranz endet.

 

Nachdem sie Alfons VI. geschlagen haben, erobern die Berber die Macht in einem Taifa nach dem anderen. Auch Valencia fällt nach dem Tode El Cids. Sie bleiben bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts.

 

 

 

Frankreich

 

Kathedrale Notre-Dame in Reims

 

 

Die Könige des Kapetinger-Geschlechts beherrschen nur etwa zehn Prozent des alten westfränkischen Reichsgebietes, können aber die Erblichkeit der Dynastie durchsetzen und werden von der Kirche gestützt, besonders vom Erzbischof in Reims. Fast alle französischen Könige werden dort in der Kathedrale Notre-Dame gekrönt.

 

Sängertribüne Kloster Serrabonne (Pyrénées-Orientales), Roussillon

Mehr Macht liegt in den Händen großer Vasallen, wie den Herzögen von Burgund und der Normandie.

 

 

Die Eroberung Englands in 1066 durch Herzog Wilhelm II. der Normandie, einem Lehnsmann des französischen Königs Philipp I., bedeutet für Frankreich den Beginn eines jahrhundertelangen Konflikts.

 

 

 

 

 

 Britische Inseln

 

Wilhelm der Eroberer mit Halbbrüdern (Wikipedia)


 

Die erste Hälfte des Jahrhunderts sieht wechselvolle Kämpfe der Angelsachsen gegen dänische Siedler und Invasionsheere. Die Angreifer werden stärker, und ab 1013 beginnt mit Sven Forkbeard (Gabelbart) und Knut dem Großen mit kurzzeitiger Unterbrechung die Zeit dänischer Könige (bis 1042). Dann setzen sich die Angelsachsen mit Edward dem Bekenner erneut durch. In der Normandie erzogen, soll er Herzog Wilhelm II., die englische Krone versprochen haben.

 

1066 stirbt König Edward als Letzter des Hauses Wessex mit 63 Jahren. Nachfolger wird im gleichen Jahr Harold Godwinson, einer der Mächtigsten im Land.

 

Harald II. hat wenig Freude an der neuen Würde. Mit 300 Schiffen fällt König Harald Hadraadar von Norwegen im Oktober in Nordengland ein. Nach siegreicher, blutiger Schlacht müssen die Angelsachsen erschöpft zur Kanalküste marschieren, wo sie bei Hastings vom Invasionsheer aus der Normandie vernichtet werden. Harald II. fällt.

 

Burg Wilhelm des Eroberers im normannischen Caen

England wird normannisch, skandinavische Einflüsse schwinden. Herzog Wilhelm der Normandie regiert als König Wilhelm I. mit dem Beinamen „Der Eroberer“. Der sogenannte Teppich von Bayeux kündet von seinen Taten.

 

Damit haben die alten Nordmänner, wenn auch in Gestalt romanisierter Nachkommen, ihr großes Ziel erreicht, denn Wilhelms Ahne, der 911 vom westfränkischen König die Normandie zum Lehen erhalten hatte, war Wikinger.

 

Mittelschiff der normannischen Kathedrale von Gloucester

Der Umbruch in England ist total. Aufstände werden brutal niedergeschlagen, der hohe angelsächsische Klerus durch normannischen abgelöst, die Kirchen der Besiegten zerstört. St. Laurence, Bradford-on-Avon. Normannische Barone übernehmen die Lehen angelsächsischer Adliger.

 

Doch mit Sprache, effizienter Verwaltung, Reorganisation der Kirche und prächtigen normannischen Gotteshäusern kehrt auch eine neue überlegene Kultur ein.

Der Eroberer stirbt 1087, etwa 60 Jahre alt. Sein zweiter Sohn, Wilhelm II. Rufus, wird sein Nachfolger in England. Der Älteste, Robert Curthose, wird Herzog der Normandie.

Blick in den Chor der angelsächsischen Kirche St. Laurence, Bradford

 

In Schottland kontrollieren die Herrscher nur einen Teil des heutigen Landes und behaupten sich mit Mühe gegenüber dem mächtigen südlichen Nachbarn. Die Anglisierung schreitet fort, ebenso die Reformation des Kirchenwesens mit Hilfe des normannischen Klerus.

 

Der bedeutendste König, Malcom III., regiert fünf Jahrzehnte lang, bis 1093.

 

In Irland zerfällt nach dem Tod des Hochkönigs Brian Boru in der Schlacht von Clontarf das Land wieder in einzelne Königreiche. Durch die großen Verluste der auf beiden Seiten kämpfenden Nordmänner wird skandinavischer Einfluß zurückgedrängt.

 

 

 

 

 

Skandinavien

 

In Skandinavien treten die Konturen der neuen Nationen deutlicher hervor.

 

Wikingerschiff, Museum Roskilde, DK, Nachbau

Anfang des Jahrhunderts verliert Schweden Gebiete im Süden an die Dänen. Olov Skötkonung aus dem Stamm der Svear wird getauft. Einige Jahrzehnte später stürzt mit König Edmund diese alte Dynastie (Ynglinger).

In der 2. Hälfte des Jahrhunderts herrscht vorwiegend die Stenkil-Dynastie

Die Konflikte zwischen den heidnischen Svear und christlichen Göten verschärfen sich.

 

 

Das im Vergleich dicht besiedelte Dänemark erringt eine Vormachtstellung. Knut der Große, herrscht 7 Jahre lang über Dänemark, Norwegen und England, Letzteres nach wie vor ein bevorzugtes Angriffziel der Wikingerflotten.

 

Runenstein in der Rundkirche von Nylars, Bornholm

In Norwegen herrscht von 1015 bis 1028 Olaf II. Haraldsson, später heilig gesprochen. Dann trägt ein norwegischer König, Magnus I., kurzzeitig auch die dänische Krone. 1066 schwächt ein norwegischer Angriff unter König Harald III. Hardraada, Englands Streitkräfte und ermöglicht den Sieg der Normannen.

 

Leif Erikson landet, von Grönland kommend in „Vinland“ und entdeckt Amerika.

 

 

 

Ungarn

 

Die Königs-Dynastie der Árpáden wird nach Stephan I. Tod (1038) durch seinen Neffen Peter Orseolo, Sohn des Dogen von Venedig, unterbrochen. Er kann sich nur mit Hilfe des Saliers Heinrich III. halten und wird 1046 durch einen heidnischen Aufstand und den Árpáden Andreas gestürzt. Nach dessen Tod (~1060) bleibt trotz mancher Thronwirren die Dynastie an der Macht.

 

Polen

 

Die Dynastie der Piasten bestimmt auch das 11. Jahrhundert.

 

Boleslaw I. Chrobry, 1025 kurz vor seinem Tod gekrönt, hinterläßt einen mächtigen Staat, der unter seinen Nachfolgern durch Unruhen, heidnische Aufstände, Kämpfe mit den Nachbarn und Konflikte mit den salischen Königen stark geschwächt wird. Am Ende des Jahrhunderts muß Wladyslaw I. auf die Krönung verzichten und einer Teilung des Landes mit seinen Söhnen zustimmen.

 

 

Das russische Reich

 

Aus politischem Kalkül läßt sich Großfürst Wladimir taufen und heiratet eine byzantinische Prinzessin. Nach seinem Tod (1015) schafft sein Sohn Jaroslaw der Weise bis zur Mitte des Jahrhunderts einen großen, einflußreichen und durch byzantinischen Einfluß kulturell hoch stehenden Staatenbund.

 

Nach Jaroslaws Tod (1054) streiten die 5 Söhne an der Spitze ihrer Teilfürstentümer um Macht und Einfluß und schwächen die Kräfte zur Abwehr der ständig anstürmenden Reitervölker. Die Auflösung des Reiches kann auch eine Neuordnung 1097 nicht aufhalten.

 

 

 

Balten und Elbslawen

 

Slawenburg Großraden (Mecklenburg-Vorpommern)

 

Die heidnischen Balten treten mit der Ersterwähnung der Litauer 1008 und der Ermordung des „Erzbischofs der Heiden“ Brun von Querfurt durch die Pruzzen ins Licht der Geschichte. Dorpat wird um 1030 erstmals erwähnt.

 

In heikler Lage zwischen dem christlichen Polen und dem Römischen Reich schwanken die Elbslawen, vor allem die Obodriten im Norden, zwischen Christentum und Heidentum. Die beginnende Christianisierung durch Bischof Adalbert von Bremen ab Mitte des Jahrhunderts wird nach seinem Sturz 1066 durch einen Aufstand der Heiden unterbrochen und wieder wechseln sich christliche und heidnische Fürsten ab.

 

 

 

 Balkanslawen

 

Nach Angriffen Venedigs und der Ungarn blüht das Königreich Kroatien Mitte des Jahrhunderts auf und wird zu einer Konkurrenz für Venedig im Seehandel. Byzantinischer Einfluß geht zurück, doch Ende des Jahrhunderts verleibt sich Ungarn Gesamt-Kroatien ein. Inmitten der ringsum wechselvollen Christianisierung des Balkans bleibt Kroatien bei Rom.

 

Mitte des Jahrhunderts schüttelt Serbien die byzantinische Vorherrschaft ab, und 1077 erlangt Michael Vojslav von Rom die Königskrone. Später wird das Land wieder orthodox und zerfällt in Auseinandersetzungen mit Byzantinern, Bulgaren und Ungarn in Klein-Territorien.

 

Der Versuch, von einer Restherrschaft im Westen ausgehend, das bulgarische Reich zu erneuern, scheitert. Bulgarien wird byzantinische Provinz und bleibt es bis zum Ende des 12. Jahrhundert.

 

Böhmen

 

Nachdem der Ottone Heinrich II. das Land vor der aggressiven Politik Polens geschützt hat, besiegt im Gegenzug Bretislav I. die Rivalen, annektiert Mähren und polnische Gebiete. Der Salier Heinrich III. zwingt die Böhmen, die polnischen Gebiete zurück zu geben und Schlesien gegen Zinszahlung den Polen zu belassen. Vratislav I. wird 1085 König.

 

Byzanz

 

Zwar beseitigt Basileos II. die bulgarische Bedrohung für lange Zeit, aber die Sorge vor dem Islam bleibt. Trotz dynastischer Wirren nach dem Tod des Bulgarenschlächters, gelingt es, das Territorium weitgehend zu erhalten.

Nach dem Aussterben der makedonischen Dynastie mit Basileos Theodoras in 1056 allerdings verlieren die zahlreichen Nachfolger große Gebiete auf dem Balkan und in Armenien.

 

Süditalien geht an die Normannen verloren.

 

Nach einer vernichtenden Niederlage in 1071 durch die islamischen Seldschuken, den Verlust Jerusalems und später Anatoliens, wird die Lage bedrohlich, aber durch die neue Dynastie der Komnenen gerettet.

 

Mit dem Kreuzzug des Westens zur Befreiung der heiligen Stätten beginnt 1095 eine neue gefährliche Ära, nicht frei von Konflikten mit den Kreuzrittern.

 

Das Christentum

 

Ein neues Jahrtausend bricht an. Auf den ersten Blick wenig spektakulär, im Rückblick für die Zeitgenossen aber verbunden mit angstvoller Erwartung von Weltenende und Jüngstem Gericht.

 

Als beides ausbleibt, legt die dankbare Christenheit „ein weißes Kleid von Kirchen“ an, darf man dem häufig zitierten Mönch Rodulfus Glaber glauben.

 

Palastgartens des Malteser-Orden: Die Kuppel des Petersdoms

Das Christentum ist mit Ausnahme der Gebiete der Westslawen und Balten in fast allen Regionen Europas angekommen. Ob es auch überall dazu gehört, ist die Frage. In Randgebieten kann es Generationen dauern, ehe der alte Glaube im letzten Dorf besiegt ist.

 

Die Einheit der Christen zerbricht in der Mitte des Jahrhunderts. Die lateinische Kirche in Rom und die griechisch-orthodoxe Kirche in Byzanz trennen sich. Papst und Patriarch von Konstantinopel exkommunizieren sich gegenseitig.

 

Die Kirche im Westen erlebt im Kampf gegen die Kaiser eine Zerreißprobe (siehe oben „Römisches Reich“).

 

Aber Rom profitiert. 1059 (siehe Investiturstreit) verringert die Papstwahl durch das Kardinalskollegium die Abhängigkeit von weltlicher Macht. Die Gründung wichtiger Orden (Kartäuser, Zisterzienser, Ritterorden, Johanniterorden) stärkt die Kirche ebenso wie der erfolgreiche Aufruf zum 1. Kreuzzug.

 

Der Islam

 

Ab 1030 profitieren die christlichen Staaten auf der iberischen Halbinsel vom Zerfall des Kalifats von Córdoba in viele Teilkönigreiche. Vorübergehend aber stoppen ab Ende des Jahrhunderts die Berberstämme der Almoraviden die Reconquista.

 

Anfang des Jahrhunderts hat sich das Fatimidenreich bis Palästina, Syrien und auf die arabische Halbinsel ausgedehnt. Der Kalif Al-Hakam liefert Rom mit der Zerstörung der Kirche vom Heiligen Grab in Jerusalem den Grund für die Kreuzzüge.

 

Anstelle der Araber bedrängen türkische Seldschuken das byzantinische Reich und beginnen Ende des Jahrhunderts mit der Eroberung Anatoliens. Jerusalem ist zwischen ihnen und den arabischen Fatimiden umkämpft.

 

  

 

 










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