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Kühe im Turm

02.08.2013 08:16:35

 

Mittelalterliche Bauten sind nicht arm an skurrilen Einfällen der Baumeister und Bildhauer.

 

Schon aus dem Rahmen fallend ist aber die Idee, den Turm einer gotischen Kathedrale mit den Vollplastiken von 16 Kühen zu schmücken, wie um 1200 in Laon geschehen.

 
                                  
 
 
 

Der Einfall fand Nachahmer in Bamberg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die sogenannten „Domkühe“ in den gotischen Westtürmen des Domes, auch sie Kopien der Türme von Laon, sind kleiner und sollen wohl Maultiere darstellen.

 

In beiden Fällen wollte man wohl den Lasttieren ein Denkmal setzen, die so schwer „am Bau“ gearbeitet haben.



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Die Schöne im Tal

11.07.2013 08:17:27

 

Etwa 15 km nordwestlich von Caen liegt in einem stillen Tal ein Kleinod normannischer Baukunst, die Pfarrkirche von St. Pierre de Thaon. Ein Bächlein rauscht, Bäume werfen ihren Schatten auf den alten Bau. Auf saftigen Wiesen weiße Rinder.

 

                          

 

Es ist so romantisch wie beschrieben. Eigentlich ein idealer Platz für eine Zisterzienserkirche, doch den Orden gab es noch nicht.

 

In der Kirche aus der zweiten Hälfte des 11. Jh., einer Zeit in der auch die berühmten Klöster Wilhelm des Eroberers, St. Etienne und Sainte-Trinité in Caen errichtet wurden, traf sich eine weit verstreute Gemeinde zum Gottesdienst.

 

Im Kern ist der Bau fast unverändert, nur die Seitenschiffe wurden im 18. Jh. abgerissen, die Arkaden zugemauert.

 

Bemerkenswert sind Bauschmuck und Turm.

                                        

 

Eine gute Beschreibung findet sich in:

 

Musset, Lucien, Romanische Normandie (West), Echter Verlag, Würzburg, 1989

 

Die Kirche wird sehr zurückhaltend restauriert. Innen finden Ausgrabungen statt. Besichtigungen sollen nach Anmeldung möglich sein. Eine Gruppe von Enthusiasten bemüht sich um den Erhalt des alten Gotteshauses.

 

http://vieilleeglisedethaon.free.fr/



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Basilika, Kathedrale, Dom, Münster

23.06.2013 08:27:51

 

Eine verwirrende Vielfalt von Begriffen, wenn von großen Kirchen die Rede ist.

 

Einfach ist es bei der „Basilika“. Es ist die Bauform einer Kirche mit einem hohen Mittelschiff und 2 oder mehr niedrigeren Seitenschiffen. 5-schiffige Beispiele sind die Dome in Köln und Mailand.

 

Kathedralen und Dome sind Bischofskirchen, in der Regel große Basiliken. Die Bezeichnung Dom findet man im deutschen Sprachraum und in Italien.

 

Wie so oft: keine Regel ohne Ausnahmen. Im Sprachgebrauch werden manche großen oder für das Umfeld bedeutenden Kirchen als „Dome“ bezeichnet, obwohl sie keine Bischofskirchen sind. Da gibt es den „Altenberger Dom“, eine ehemalige Klosterkirche, den Sauerländer Dom in Attendorn, eine ehemalige Stiftskirche und viele andere, die streng genommen, die Bezeichnung „Dom“ nicht verdienen.

 

Das Wort Münster wird auf „monasterium“, also Kloster zurückgeführt. Anfangs den Gesamtkomplex meinend, blieb die Bezeichnung später der Klosterkirche vorbehalten. So werden Stiftskirchen oft als Münster bezeichnet, oder die Hauptkirchen wichtiger Städte, wie das Ulmer Münster.

 

Im südwestdeutschen Raum, werden auch Bischofskirchen als Münster bezeichnet, z.B. in Straßburg und Konstanz

 

Mag auch generell die Bezeichnung „Münster“ im Süden häufiger vorkommen, ist sie doch auch im Norden zu finden, so das Doberaner Münster, eine Zisterzienser Klosterkirche in Mecklenburg-Vorpommern, und das Herforder Münster in Ostwestfalen.

 

Es ist kompliziert, vor allen weil Traditionen und Volksmund eine Rolle spielen.

 

Im Gespräch mit Alteingesessenen ist aus der Erfahrung des Autors Vorsicht durchaus geboten. Es kann zu Unmut führen, wenn z.B. das Ulmer Münster als Dom bezeichnet wird.



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Konstantinopel

02.06.2013 08:42:16

 

Angeregt durch einen Leser möchte ich auf zwei Bücher aufmerksam machen, die sich mit einer der interessantesten Städte der Antike und des Mittelalters beschäftigen.

 

Konstantinopel, das alte Byzanz, wurde oft bedroht. Durch Slawen, Awaren, Waräger (Wikinger), Perser – immer vergeblich.

 

Große Gefahr dann durch den Islam. 673/74 versuchte eine riesige arabische Flotte die Eroberung, 717 belagerten islamische Truppen ein Jahr lang die Stadt - vergeblich.

 

Von Kreuzfahrern 1204 erobert, blieb sie christlich.

 

Im 15. Jh. sah das mächtig gewordene osmanische Reich seine Chance.

 

Verglichen mit dem antiken Ostrom war der Stadtstaat nur noch ein Schatten seiner selbst, das Staatsgebiet winzig, umgeben von der Landmasse des inzwischen starken türkischen Reiches. Aber die Stadt war ein Symbol und immer noch reich hinter mächtigen Mauern.

 

Ein Versuch in 1422 scheiterte. Doch 1453 war der Islam nach blutigen Kämpfen am Ziel.

Es war eines der schwerwiegendsten Ereignisse des späten Mittelalters.

 

In der Form eines historischen Romans, gut recherchiert, beschreibt der Autor die Belagerung in 673/74:

 

Becker, Frank S., Sie kamen bis Konstantinopel, Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 2009

(mit Zeittafel, Glossar und Karten.)

 

Eng an den historischen Fakten, die Situation beider Seiten beleuchtend, wird die endgültige Eroberung spannend beschrieben:

 

Crowley, Roger, Constantinople – The Last Great Siege, Faber and Faber Ltd., London, 2006

(mit Karten, Index, Quellenangaben)

 

Viel Spaß!



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Bernhard von Clairvaux war der Gründer des Zisterzienserordens

08.05.2013 19:09:09

 

Sie stutzen? Dann liegen Sie richtig. Aber diese Fehlmeldung liest und hört man immer wieder.

 

Bernhard, später heilig gesprochen, war einer der beeindruckendsten Männer seines Jahrhunderts. Den Gründerruhm aber hat er nicht verdient. Er war der vierte Abt des Gesamtordens.

 

Ordensgründer war Robert. Er wollte zurück zu den in Cluny vernachlässigten wahren Regeln des hl. Benedikt. Nach einigen Enttäuschungen in konventionellen Benediktinerabteien gründete er ein Kloster in Molesme. Nach internen Schwierigkeiten zog er 1098 mit 21 Mönchen ins ebenfalls burgundische Cîteaux. Papst Paschalis II. bestätigte den nach diesem „Ur-Kloster“ benannten Orden.

 

Bernhard trat erst 1112  mit 30 Gefährten als Novize ein, als Stephan Harding den Orden leitete. Schon 1115  wurde Bernhard Abt des Tochterklosters Clairvaux. Erst später wurde er zum Leiter des Gesamtordens gewählt.

 

Die Falschmeldung hängt wohl damit zusammen, daß mit Bernhards Eintritt die erstaunliche Ausdehnung begann. Gab es 1112 vier oder fünf Klöster, waren es 1153, bei seinem Tod, 365 Abteien. Fontenay (Bild) ist eine der Ältesten.

 

burgund



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