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Backsteinromanik

24.10.2013 08:59:48

 

 

„Wie bitte ?

 

Der Mann meint Backsteingotik.“ Werden Sie sagen.

 

Nein, es gibt Romanik in wenigen frühen Bauten des 12. Jahrhunderts, ehe die Gotik diesen Stil auch in der Backsteinarchitektur ablöste.

 

            

 

Den wohl ältesten Bau finden wir in den Elbniederungen in Jerichow (Sachsen-Anhalt). Die ehemalige Stiftskirche des Prämonstratenser-Ordens besticht außen am Chor durch zurückhaltende Harmonie und durch einen wehrhaften Westbau.

 

Im Inneren der Säulenbasilika mit flacher Holzdecke bezaubern die warmen Rottöne des Steins und eine schöne Krypta mit Kreuzgratgewölbe und skulptierten Kapitellen. Baubeginn der Kirche war um 1250. Ein Kreuzgang und Klostergebäude aus dem 13. Jh. sind erhalten.

 

Auch sehenswert in diesem Zusammenhang ist der romanische Backsteindom in Ratzeburg, Schleswig-Holstein.





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Der Löwe

10.10.2013 08:55:03

Niemand, der sich näher mit dem Römischen Reich im 12. Jh. beschäftigt, kommt an Heinrich dem Löwen (um 1130-1195) vorbei. Der Welfe war Herzog von Sachsen und Bayern und nach dem Kaiser der mächtigste Fürst im Reich. Seinen Beinamen erwähnen schon zeitgenössische Quellen.

 

Er war ehrgeizig, tüchtig, rücksichtslos. Seine Nachbarn in Sachsen, die Slawen und auch Kaiser Friedrich I. Barbarossa mußten diese Erfahrung machen. Und er hatte ein gesundes Selbstbewußtsein. Davon zeugt vor seiner Burg Dankwarderode in Braunschweig die Kopie eines Löwendenkmals.

 

                                                

 

Das Monument, um 1170 aufgestellt, ist erwähnenswert, nicht nur wegen seiner Größe. Die Kunsthistoriker halten es für das älteste erhaltene vollrunde Standbild des Mittelalters nördlich der Alpen. Es unterstrich Heinrichs Herrschaftsanspruch. Auch das Material, Bronze, betonte den außergewöhnlichen Rang des Denkmals.

 

Aber sein Löwe konnte den großen Mann nicht vor tiefem Fall schützen. Nachdem Barbarossa die italienischen Angelegenheiten geregelt hatte, zog er Heinrich zur Rechenschaft. (www.wernernolte.de/index.php/geschichte-des-mittelalters/jahrhunderte/12-jahrhundert) Um 1180 wurde er geächtet und zu seinem Schwiegervater, König Heinrich II. von England ins Exil geschickt.

 

Sein treuer Gefolgsmann, Bernhard II. zur Lippe soll ihn dort besucht haben, nachdem auch er in Ungnade gefallen war. Am Ende verzieh Barbarossa beiden. Doch der Löwe ging erneut ins Exil, Bernhard begann eine neue Karriere als Zisterziensermönch, Abt in Dünamunde und zuletzt Bischof von Semgallen in Livland.





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Die kleinste Kathedrale der Welt

24.09.2013 08:19:38

 

Welch ein ungewöhnlicher Superlativ, kennen wir doch Kathedralen im allgemeinen als Großbauten.

 

Zentrum des Kirchleins Sveti Križ (Heilig-Kreuz-Kirche) in Nin, Kroatien mit 60 qm Grundfläche ist eine Rotunde in der Mitte eines griechischen Kreuzes. Der dem Eingang mit Glockenstuhl gegenüber liegende Kreuzarm, flankiert von je einer Apside, war wohl Altarraum. Von Blendnischen abgesehen, ist der Bau heute fast schmucklos.

 

                           

                                         Foto: Konstantin Zurawski, Köln

 

 Zum Versuch, die Frage zu klären, ob er einen Bischofsstuhl beherbergte, was allein den Titel „Kathedrale“ rechtfertigen würde, müssen wir uns in das 9. Jh. zurückversetzen. Großbauten waren selten, jedenfalls in abgelegenen Gebieten, Steinbauten auch. Aber Nin war der erste Königssitz Kroatiens und die Bischöfe dort spielten eine große politische Rolle. Bischof Gregor von Nin soll Kanzler des Königreiches Kroatien gewesen sein.

 

Die Größe war auch nicht ungewöhnlich, wie das Beispiel aus einer anderen abgelegenen Ecke Europas zeigt. St. Laurence war etwa gleich groß.  St-laurence-bradford-on-avon

Ist also der Anspruch glaubhaft?

 

Einen historischen Beleg für einen Bischofsstuhl gibt es nicht. Doch es gab Bischöfe in diesem Zentrum der Macht, historisch verbürgt. Sie hatten eine Bischofskirche. Andere Steinbauten aus dieser Zeit gibt es nicht in Nin. Bliebe eine Holzkirche, eine Möglichkeit, die wir nicht vergessen sollten.

 

                                           

                                                  Foto: Konstantin Zurawski, Köln
 

 Wir können die Frage nach der Richtigkeit des Superlativs nicht beantworten, aber gönnen wir doch dem ehrwürdigen Bau und dem neuen EU-Mitgliedsstaat den Titel, zumal die übrigen Europäer es damit auch nicht so genau nehmen. (siehe Beitrag unten)



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Der verkaufte König

02.09.2013 08:39:20

 

 Wer kauft einen König?

 

Und was kostet der?

 

1193 händigte Herzog Leopold V. von Österreich Kaiser Heinrich VI. wertvolle Beute aus: Richard Löwenherz, König von England.

 

Der Preis: 50.000 Silbermark, heute mehr als 1 Milliarde Euro, ein gutes Trostpflaster für die Exkommunikation. Wiener Neustadt verdankt dem Schacher die Existenz.

 

Richard mußte, vom 3. Kreuzzug kommend, die Länder seiner vielen Gegner meiden, zu denen der französische König ebenso zählte, wie der Kaiser. Auch der Versuch über Österreich heimzukehren war unklug In einem seiner Wutanfälle hatte er in Akkon das Banner des Herzogs in den Dreck werfen lassen.

 

Pallas (restauriert) Burg Trifels

 

Der Kaiser setzte den Gefangenen auf der Burg Trifels fest und erpreßte von England 100.000 Silbermark Lösegeld. Das Land - 2,2 Millionen Einwohner - blutete finanziell aus. Sogar Liturgische Gefäße wurden eingeschmolzen.

 

Nach Bezahlung des „Kaufpreises“ blieb dem Kaiser genügend Silber um das normannische Königreich Sizilien zu erobern, dessen Krone er sich 1194 aufsetzte. Er herrschte nun von der Nordsee bis zum Mittelmeer.





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Weibertreu

11.08.2013 14:31:07

 

Bei Recherchen zum 12. Jh. stieß ich auf ein außergewöhnliches, gleichwohl historisch belegtes Ereignis.

 

Der Staufer Konrad III. (1138 – 1152), im ewigen Kampf gegen die Welfen, belagerte 1140 wochenlang deren Burg Weinsberg. Schließlich boten die Verteidiger die Kapitulation an. Die Bedingungen waren hart: Zerstörung der Burg, Hinrichtung der Männer. Den Frauen wurde freier Abzug gewährt und Mitnahme aller Güter, die sie tragen konnten.

  

(Wiki, Rosenzweig)

 

Die Tore öffneten sich. Heraus kamen die Frauen, auf dem Rücken - ihre Männer.

 

Das reisige Gefolge bedrängte den König, den Schwindel nicht zu akzeptieren. Der, sicherlich erstaunt, vielleicht humorbegabt, ließ Milde walten, eine herrscherliche Tugend schon damals.

 

Viele Dichter haben sich des Ereignisses angenommen, u.a. de Chamisso, Gebrüder Grimm, Brecht.



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