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Wasserspiele

13.06.2014 14:12:58

 

 

Nachdem die Benediktiner in Cluny über dem Beten in prunkvollen Gewändern das Arbeiten vergessen hatten, gründeten als voraussehbare Reaktion protestierende Mönche unter Robert de Molesme einen Reformorden, ab etwa 1100 als Zisterzienser bekannt. Bei ihnen stand die erste Forderung des hl Benedikt von Nursia, das Arbeiten, im Vordergrund.

 

Die weißen Mönche waren vielseitig. Als Reaktion auf das Verbot jeglicher Skulpturen, bearbeiteten sie die Steine ihrer Kirchen mit unglaublicher Sorgfalt. Sie waren großartige Landwirte und liebten das Wasser. Viele Zisterzienserklöster wurden in einsamen wasserreichen Waldtälern gegründet. Die Mönche schätzten das Wasser als Energiequelle, als Grundlage der Fischzucht, als Mittel zur Abfallentsorgung. Und natürlich brauchten sie Wasser für Küche und Hygiene.

 

 

 

 

In ihren Kreuzgängen errichteten sie für Waschungen vor dem Gebet prachtvolle Brunnenhäuser, wie das oben gezeigte in Maulbronn aus dem 13. und 14. Jh. Allerdings ist nur die untere der 3 Schalen mittelalterlich.

 

Andere Beispiele finden sich in Zwettl und Heiligenkreuz.


 


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Statik und Ästhetik

05.05.2014 10:07:44

 

gingen, wahrscheinlich um 1338, in der Vierung der Kathedrale zu Wells eine harmonische Ehe ein.

 

Ich spreche von den berühmten Scherenbögen. Der Schöpfer ist nicht sicher bekannt. Wahrscheinlich war es ein Baumeister namens Joy, wahrlich ein passender Name, denn dieses Architekturelement bereitet vielen Besuchern Freude.

 

 

Aber die scissor arches, insgesamt drei, hatten nicht nur die Aufgabe zu erfreuen. Sie sollten den wankenden Vierungsturm retten. Das Begeisternde ist, hier verband ein genialer Meister das Nützliche mit dem Schönen.

 

Einige Puristen unter den Fachleuten sind weniger erfreut. Alec Clifton Taylor meint „Just think it away.“

 

Die Scherenbögen hatten wenig bekannte und weniger spektaluläre Vorgänger in Salisbury, erbaut etwa 1320, mit dem gleichen Ziel wie in Wells.


 

 

 

(Clifton-Taylor, Alec, The Cathedrals of England, Thames & Hudson, London, 1967 and 1986)

 

 

 



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Das Kreuz auf den Märkten

14.04.2014 15:15:29

 

Die Gewährung des Marktrechts durch Könige und andere Fürsten war im MA ein ungemein wichtiges wirtschaftliches Privileg, egal ob es sich um ständige Märkte, Wochen- oder Jahrmärkte handelte. Neben den Kaufleuten profitierten Städte und Landesherren von Abgaben und Zöllen.

 

Meist wurde das Marktrecht zusammen mit dem Stadtrecht verliehen. Auch die Verleihung des Münzrechtes in diesem Zusammenhang war üblich.

 

Fahnen oder Marktkreuze markierten den Marktplatz, an dem auch das Rathaus lag. Der Marktfrieden wurde durch den Landesherren geschützt.

 
   

Kreuz mit Turm der Marktkirche

(Wiki – Kurt Wichmann)

 

Die Kreuze waren mehr oder weniger aufwendig. Relativ schlicht ist das älteste Marktkreuz Europas in Trier, verliehen vom Erzbischof Heinrich I. im Jahre 958.

 

Im Gegensatz zu Kontinental-Europa, waren Marktkreuze in England häufig. Oft waren es nicht nur Kreuze, sondern offene, begehbare Bauten, reich skulptiert, wie das gotische „Kreuz“ in Salisbury.

 

 

Salisbury - Poultry Cross, 14. Jh.

 

Diese Stadt hatte sogar 4 Kreuze für ebenso viele Teilmärkte. Neben dem „Geflügelkreuz“ (poultry cross) oben, solche für Käse und Wolle. Die Bauten demonstrierten Reichtum der Bürger und Kaufleute.

 

 



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Es werde Licht

22.03.2014 14:25:12

Wie kam es nach Einbruch der Dunkelheit in die Schwärze von Schiffen und hohen Gewölben mittelalterlicher Kirchen?

 

Es waren Wachskerzen, die gegen das Dunkle kämpften. Obwohl teuer, und mögliche Brandursache, waren sie unverzichtbar. Gläubige brachten Opfer in Gestalt von Kerzen für die Beleuchtung ihrer Gotteshäuser.

 

Die eindrucksvollsten Möglichkeiten, Licht ins Dunkel zu bringen waren Radleuchter. Sie symbolisierten die Mauern des Himmlischen Jerusalems und wurden bestückt mit Lichtern aus Kerzenopfern.

 

Vier mittelalterliche Leuchter sind in Deutschland erhalten, drei davon aus dem 12. Jh.:

 

Der Barbarossa-Leuchter, erst kürzlich restauriert, Durchmesser >4 Meter, im Aachener Dom. Er trägt 48 Kerzen.

 

 

 

Barbarossa-Leuchter

 

Der Hartwig-Leuchter, Durchmesser >5 Meter, im Kloster Groß-Comburg. Auch er trägt 48 Kerzen.

 

Der Hezilo-Leuchter, Durchmesser 6 Meter, im Dom zu Hildesheim , der größte. Er trägt 72 Kerzen.

 

Welch einen Anblick muß er bieten mit dem Widerschein seiner brennenden Kerzen auf Türmen und Mauern der symbolischen Stadt.

 

Der Azelin-Leuchter, (auch Thietmar-Leuchter), im Dom zu Hildesheim ist wohl ein kleineres aber älteres Schwesterwerk des Hezilo-Leuchters.

 

Der Vollständigkeit halber: Der sehr schöne Radleuchter in der Godehard-Kirche, auch in Hildesheim, ist aus dem 19. Jh.



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Die unglaubliche Eleonore

25.02.2014 09:34:44

 

Tochter eines Troubadors, Herzogin von Aquitanien, französische Königin (1137-1152). Nichts Ungewöhnliches im 12. Jh. , auch nicht, daß sie 10 Kinder gebar, 8 aus ihrer 2. Ehe.

 

Aber dann – Teilnahme am 2. Kreuzzug, als Königin! Das geht ebenso wenig, wie das Abhören von Angela Merkels Mobiltelefon. Oder? Geht doch. Leonore bzw. Barack Obama machen es möglich.

 

Zurück in Europa: Annullierung der Ehe, angeblich wegen zu naher Verwandtschaft.

 

Zwei Monate später Vermählung der 30-jährigen mit dem 11 Jahre jüngeren Herzog der Normandie, Graf von Anjou. Als Heinrich II. wird er englischer König. Sie bringt ihm einen gewaltigen Batzen französischen Territoriums als Morgengabe und legt damit unbeabsichtigt den Grundstein für den 100-jährigen Krieg zwischen Frankreich und England.

 

In der 35-jährigen Ehe gibt es viele politische und persönliche Gegensätze, die in einer von ihr geförderten Konspiration dreier Söhne gegen den König münden. Eleonore bezahlt mit 15 Jahren Hausarrest.

 

Nach Heinrichs Tod und ihrer Entlassung tatkräftiger Einsatz für ihren Sohn Richard Löwenherz, der im Kerker Kaiser Heinrichs VI. schmachtet. Im Alter von 72 Jahren überbringt sie persönlich das geforderte Lösegeld.

 

Acht Jahre später stirbt sie 80-jährig, fünf Jahre nach Richard, und ruht nun neben zwei englischen Königen, Vater und Sohn, in der Abtei Fontevraud.



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