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Der umgefärbte Heilige

17.04.2016 09:46:26

 

 

Mauritius, zuständig für das Heer, die Infanterie und die Waffenschmiede, ist nicht gerade der populärste Heilige der römisch-katholischen Kirche. Der Legende nach erlitt er um 300 n.Chr. im Wallis das Martyrium als Anführer der Thebaischen Legion zusammen mit Tausenden seiner Männer.

 

Seine Verehrung breitete sich langsam nach Norden und Nordosten aus, um schließlich auf das Gebiet des ostfränkischen Reiches zu gelangen. Unter Otto I. war ihre Blütezeit.

 

Mauritius wurde Schutzheiliger des Reiches und Patron des neuen Kaiserdomes in Magdeburg. Mit anderen Märtyrern steht er dort auf antiken Säulen hoch im Chor.

 

Das alles wäre nicht erwähnenswert, wenn die Darstellung des Heiligen in dieser Zeit nicht grundlegend verändert worden wäre. Aus dem Hl. Mauritius, bisher als weißer Ritter dargestellt, wurde in der Mitte des 13. Jh. ein Schwarzer, ein Mohr. Es soll das erste Bildnis eines Schwarzafrikaners in nachantiker Zeit sein.

 

 

Ein Torso steht an der Südseite des Domchores. Die Forschung datiert seine Entstehung auf die Mitte des 13. Jh., also in die frühe Bauzeit des Domes.

 

Die Gründe für diese Wandlung - sind rätselhaft, zumal die Darstellung als Mohr in späteren Kunstwerken, abgesehen von wenigen Ausnahmen in südlichen Gebieten, beibehalten wurde.



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Covadonga

18.02.2016 16:00:22

 

Als ich den Namen zum ersten Mal hörte, ließ ich ihn auf der Zunge zergehen. Einfach schön.

 

Doch wer oder was ist das – Covadonga?

 

Nichtwissen muss niemand beschämen, es sei denn, er ist spanisches Schulkind.

 

Denn die Antwort ist wichtig für Geschichte des Landes. Nahe der Höhle Covadonga in den Bergen Asturiens schlug um 720, etwa 10 Jahre nach der vernichtenden Niederlage des westgotischen Heeres, eine christliche Truppe die arabischen Invasoren. Der Führer, Pelagius/Pelayo aus altem westgotischem Adel, wurde König von Asturien, des ersten christlichen Reiches nach der Mauren-Invasion, und spanischer Nationalheld.


Pelayo/Pelgius, der Sieger von Covadonga (Foto: Inge Hermann, Siegburg)

 

 

Die Historiker schlagen sich herum mit den jeweils übertriebenen Schilderungen aus moslemischer und christlicher Sicht. Es war wohl eher keine Schlacht, sondern ein Gefecht. Tatsache aber ist, es fand statt, bei Covadonga, und die Besatzer wurden besiegt.


Das Ereignis hatte jenseits aller militärischen und politischen Konsequenzen eine hohe symbolische Bedeutung. Es ist der Beginn der Reconquista, der Vertreibung der Muslime von der Iberischen Halbinsel. Ob Pelagius selbst soweit gedacht hat? Es dauerte immerhin fast 800 Jahre bis 1492 Boabdil, der letzte Sultan von Granada, Stadt und Staat kampflos den spanischen Königen übergab.

 



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Gotik im Paradies

04.01.2016 14:29:02

Ein neues Jahr beginnt – Gelegentheit über den Anfang eines Architekturstils zu sprechen, der vor 800 Jahren aus Frankreich kam.


Wer sonst als die Zisterzienser hätte das geschafft? Ihr Orden war gut organisiert, die Bauleute als tüchtige Handwerker ausgewiesen.


                    

Paradies                                                  Kreuzgangflügel

 

In ihrer Abtei Maulbronn, heute Weltkulturerbe, begann um 1210/1220 ein Meister aus Burgund das heute hoch gelobte Paradies zu bauen - eine Eingangshalle vor der Kirche, einschiffig mit 3 Jochen. Außerdem schreiben Fachleute ihm einen Teil des Kreuzgangs zu.


Der Name des Baumeisters ist nicht überliefert. So ehrten begeisterte Fachleute ihn mit einem Notnamen. Als „Paradiesmeister“ ist er in die Kunstgeschichte eingegangen.

Nicht auszuschließen ist, dass er ab 1230 am Chor des gotischen Magdeburger Domes mitgearbeitet hat.

 



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Beim Blick zurück in die Geschichte

31.12.2015 11:55:43
 
 
des Mittelalters im 100-Jahres-Rhythmus erinnern wir uns, dass

 

vor 1000 Jahren                  die Flügel der Bernwardstüren gegossen wurden. Die vielleicht größten               Kunstwerke der Ottonik sind zu sehen im Westportal des Domes zu Hildesheim

                                     

          

 

vor 900 Jahren                    Bernhard das Zisterzienser-Kloster Clairvaux gründete, 3 Jahre nach seinem Eintritt in den Orden.

                                      Ihm ist die enorme Ausbreitung des Ordens zu danken

 

vor 800 Jahren                    der Karlsschrein von Aachener Goldschmieden vollendet wurde. In Anwesenheit König Friedrich II. wurde er im Dom aufgestellt

 

           

 

 vor 600 Jahren                    im 100-jährigen Krieg ein französisches Heer bei Agincourt vom englischen König Henry II. vernichtend geschlagen wurde. Damit kam er seinem Ziel, der Herrschaft über ganz Frankreich, bedeutend näher

                                             

 vor 600 Jahren                    der tschechische Reformer Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz (1414-1418) als Ketzer verbrannt wurde, trotz Zusage freien Geleits durch König Sigismund

 

        

 

 

 

 

Allen Besuchern Dank für ihr Interesse

und die besten Wünsche

 

 

 

 für ein

 

 

 

  Gutes und erfolgreiches Neues Jahr

 



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Blut und Baukunst

01.12.2015 16:02:02

 

Die Ritter des MA neigten nicht dazu, sinnend in die Flammen des Kamins zu schauen. Da waren Fehden zu führen, im eigenen Namen oder im Auftrage der Lehnsherren. Heiden waren zu bekehren oder auszurotten. Viel Blut floss, meist das der Schwachen.

 

Aber  irgendwann kamen die Helden „in die Jahre“. Die mittlere Lebenserwartung der Männer lag zwischen 40 und 60 Jahren. Da dachten auch die schlimmsten Raufbolde an Tod, Jüngstes Gericht und ewige Verdammnis.

 

Was war zu tun? Da gab es die Pilgerfahrt nach Jerusalem, sofern es die Umstände zuließen. Auch Santiago de Compostella und Rom boten sich an.

 

                                          

    Grab des Markgrafen Gero in der...                                         Stiftskirche St. Cyriakus

 

Doch große und reiche Sünder oder deren Beichtväter beschlichen gelegentlich Zweifel an der Verhältnismäßigkeit von Sünde und Sühne. Dann musste eine Stiftung her, ein Kloster gegründet werden.

 

Zu dieser Gruppe gehörte der Markgraf Gero (um 900 bis 965).

 

Diesem Slawenschlächter verdanken wir die Gründung des Kanonissenstiftes Gernrode. Die Stiftskirche ist eines der schönsten Beispiele ottonischen Bauens.

 

 



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