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vorromanisch

Reisebericht

Auf den Spuren der asturischen Baukunst

 

3. bis 6. Mai 2011

 

Ich lasse den schweren Messingtürklopfer fallen. Der Lärm hätte Schlafende geweckt.

 

San Pedro de Nora – wohl 9. Jh

Eine mäßig freundliche Dame öffnet, und ich sage mein eingeübtes Sprüchlein in der Landessprache auf. Es ergießt sich über mich eine Kaskade spanischer Wörter, der ich entnehme, daß die Hüterin des Schlüssels zur Kirche S. Pedro de Nora im Urlaub ist. „Dos semanas“ wird nachgeschoben, und höre ich nicht einen Hauch von Schadenfreude? Ob das alles stimmt? Kirche und Haus stehen auf demselben Grundstück.

 

Wie immer, die Botschaft ist auch so enttäuschend genug, wie ich an den Mienen meiner Mitreisenden ablese. Christine und Konstantin habe ich überreden können, mich auf einer „Expedition“ in die asturische Bergwelt zu begleiten, obwohl präromanische Kirchen  - Asturische-Vorromanik  - nicht zu ihren bevorzugten Interessen gehören. Aber anschließend winkt für sie noch das Naturschutzgebiet der Picos de Europa.

 

Wenn schon nicht innen, dann aber voller Einsatz außen

Nun stehen wir hier auf einer besonnten Wiese vor diesem ehrwürdigen Bau, der knapp 1200 Jahre auf dem Buckel hat. Es ist absolut ruhig. Der Verkehrslärm der A 63, von der wir kommen, ist nicht zu hören. Die Vögel zwitschern, das nahe Flüsschen Nora plätschert. Eine Idylle fraglos, auch ohne Schlüssel.

 

Aber das ist schon die zweite Enttäuschung an diesem sonnigen Morgen. Nach gut einstündiger Fahrt von Oviedo aus nach Nordwest, zunächst auf der A 63, dann auf der AS 236 durch schöne Berglandschaft standen wir gegen 9.30 auf einer anderen idyllischen Wiese in einem Weiler namens Santianes vor einer noch älteren Kirche im gleichen Stil (Santianes de Pravía) und warteten auf die im Internet verkündigte Öffnung um 10.00.

 

Auf dem Weg nach Santianes

Kein Mensch zu sehen. Bald wurde es auch still, als der schwarze Haushund nebenan nach einer Weile seine Stimmbänder schonte. Doch dann Bewegung auf der Straße. Den Berg hinauf tuckerte ein Gefährt in Blau, eine nie gesehene Mischform aus Mini-Trecker und Mini-Laster. Vorn war knapp Platz für Bauer und Bäuerin. Der Saum ihres Sonntagstaates flatterte im Fahrtwind.

 

Als der Termin endlich heran rückte, erinnerten wir uns daß dies halt Spanien ist und gaben nochmals 20 Minuten zu. Außen war alles Interessante schon fotografiert.

 

Santianes de Pravía – (2. Hälfte 8. Jh.)

Vergebliche Hoffnung. Also auf nach Pravía, etwas südlich, zur Touristeninformation. Im mittelgroßen Städtchen, auch schon mal Hauptstadt des Königreiches Asturiens gewesen, suchten wir das „Oficina de Turismo“ und fanden es schließlich, wie oft erlebt gut versteckt, inmitten von Einbahnstraßen.

 

Die Stimmung wurde nicht besser, auch nicht, als wir schließlich, nun lange nach der angekündigten Öffnungszeit, vor verschlossener Tür standen. Kurz, die Damen und Herren hatten einige Tage Urlaub genommen, wie Konstantin in einer kleinen Notiz entdeckte. Hätte man das nicht auf der Tafel mit den Öffnungszeichen an der Kirche erwähnen können? Typisch deutsche Frage.

 

Wo bleibt der Schlüssel? (frühes 21. Jh.)

Also auf nach San Pedro de Nora, auf dem Wege nach Oviedo. Wir haben 8 Kirchen im Visier, in zwei Tagen. Ein mutiges Programm. Doch sollte es immer so laufen wie heute morgen, würden wir viel Zeit zum Sidra-Trinken haben.

 

Konferenz auf der Wiese vor San Pedro. Wir könnten kurz vor dem Beginn der Siesta in Oviedo sein. Meine Sorge ist, daß sich an dem viel besprochenen ehemaligen Sommerpalast und späteren Kirche Santa María del Naranco, die Touristenbusse drängeln, vielleicht aber nicht so kurz vor Schließung? Also fahren wir.

 

Und da liegt das Gebäude, so oft auf Fotos bewundert, oberhalb von Oviedo an der Flanke des Monte Naranco. Die gelegentlich durch einen Wolkenschleier hervorkommende Sonne läßt den hellen Sandstein leuchten. Und - keine Touristenbusse, keine Menschenmassen. Eigentlich unfair, bin ich doch auch schon Teil einer Touristenladung gewesen. Egal, ein Werkstein gewaltiger Größe rollt von meinem Herzen.

 

Santa Maria del Naranco – 9. Jh.

Ich habe erstmal keinen Blick für die wundervolle Bauplastik. Während Christine und Konstantin zu Außenaufnahmen ausschwärmen, stehe ich hoffnungsvoll vor einem Tisch, hinter dem eine Dame mit schon durchweichtem Taschentuch immer wieder ihr Nasensekret wegwischt. Kein Wunder bei ihrem verliesartigen feuchten Arbeitsplatz, immerhin passend zur „location“.

 

Ich bin der einzige Kunde. Aber man telefoniert. Ich verstehe kein Wort, sehe aber, das wird dauern. Das Gesprächsklima ist instabil. Einmal denke ich, jetzt hat sie der Partner richtig geärgert und sie schmeißt den Hörer hin. Dann schmust man wieder, aber bald darauf wieder lautstarke Verärgerung. Der Zyklus wiederholt sich einige Male. Ich trete von einem Fuß auf den anderen, wage mal diskret auf die Uhr zu schauen, aber nicht, mich zu räuspern. Diese Ungewißheit. Wird sie mir nach dem Auflegen mit Hinweis auf die Siesta die Tür weisen?

 

Santa Maria del Naranco – 9. Jh.

Nein! Sie verkauft mir 3 Karten mit dem Hinweis, daß es eine Führung in spanischer Sprache gibt. Auch egal. Ich liebe diese Frau.

 

Ich rufe meine Begleiter und dann dürfen wir endlich ins Allerheiligste. Beim Anblick werden mir die Augen feucht. Immerhin habe ich jahrelang auf diesen Augenblick gewartet. Die Bauplastik ist für die Epoche wirklich überwältigend, auch für den, der schon Fotos und viele andere Bauten gesehen hat.

 

Wir konnten in der hohen Halle des Sommerpalastes des Königs Ramiro I. nach Herzenslust fotografieren und auch im flacheren Erdgeschoß. In einem weiteren Dokument werde ich versuchen, diesem Bau gerecht zu werden.

 

Erleichterung! Der erste Erfolg. Also auf nach San Miguel de Lillo, der Palastkapelle des obigen Königs, gleich um die Ecke. Sieht auf den Fotos immer sehr schön aus im Abendlicht.

 

Doch der Schutzheilige der Romanik Fans läßt uns nicht übermütig werden. Der ganze Bau ist mit Kunststoffplanen verhängt, ein Jammer. Wir unterdrücken abermalige Enttäuschung und trösten uns mit der Erkenntnis, daß es ohne Restaurierung keine asturische Baukunst mehr gäbe.

 

Inzwischen knurrt der Magen. Auf der anderen Seite des Berges finden wir ein Ausflugslokal mit Terrasse und Blick auf Oviedo. Das Studium der Speisekarte ist schwierig bis unmöglich. Man hätte sich zu Hause um das Vokabular kümmern sollen. Aber „jamon“ und „queso“ kennen wir. Da macht man nichts falsch.

 

Während gekocht wird, haben wir die Möglichkeit, das merkwürdige Zeremoniell des Sidra-Ausschenkens zu beobachten. Der Kellner nimmt die Flasche in die hoch gestreckte Rechte. Das Glas in der Linken ist tief unten. Dann gießt er, den Blick konzentriert nicht etwas auf das Glas sondern auf die Flasche gerichtet. Künstler treffen und schwenken das Glas noch sacht hin und her. Dieser war keiner, und wir verstehen, warum der Boden mit Sägemehl bestreut ist.

 

Essen - die Küche ist deftig, reichlich und gut. Ein bißchen Siesta, entspanntes Schwatzen, Diskussion, Entscheidung. Wir fahren nach Nordosten zu einem Ort mit dem schöne Namen Villaviciosa. In der Nähe gibt es 2 asturische Kirchen, eine Klosterkirche und eine Pfarrkirche.

 

Also hieven wir uns satt ins Auto. Christine fährt wieder. Oviedo ist von Autobahnen umgeben und durchzogen. Das macht die Stadt nicht hübscher, erleichtert aber das Vorwärtskommen.

 

Hórreo – Vorratsspeicher

Wir nehmen die A 64 Richtung Nordost. Villaviciosa liegt fast an der Küste. Die Pfarrkirche sollen wir in einem Weiler namens Priesca finden. Wir lassen die Stadt rechts liegen und verlassen nach etwa 10 km die Autobahn, um uns auf Straßen, die wir als solche 3. Ordnung einordnen, dem Ziel zu nähern. Es wird wohltuend ruhig, ländlich. Schöne Hügellandschaft mit viel Wald. Neben Bäumen der gemäßigten Zone sind auch mediterrane Gewächse anzutreffen. Eukalyptus ist in unseren Breiten durchaus ungewöhnlich.

 

Und immer wieder die alten Vorratsspeicher, Hórreos, auf vier oder sechs sich nach oben verjüngenden Pfeilern. Es gibt noch Tausende, in vielen Formen, mal geschlossen, dann mit Stäben versehen, manchmal mit Umgang. Vor allem wohl für die Lagerung von Mais. Zwischen den Spitzen der Pfeiler und dem eigentlichen Bauwerk verhindern große Steinplatten Nagern den Zugang.

 

Christine und Konstantin

Ein schmaler Weg, hügelan. Abbildungen von Muscheln am Wegrand zeigen daß dies der Camino de la Costa, einer der Pilgerwege nach Compostella ist.

 

Und da liegt sie schon rechts, die alte Dame, San Salvador de Priesca, (10. Jh.,) komplett mit Pilgerin (21. Jh.), die fleißig fotografiert und sich dann auf den mühsamen aber vielleicht heilbringenden Weg nach Westen macht.

 

Der Esel vom Dienst

Und wieder Stille. Der melodische Ton einer Glocke, ausnahmsweise am Hals eines Esels, unterstreicht die Stimmung. Keine Menschenseele. Die wenigen Häuser abweisend. Ich kann mich nicht recht entschließen, auf Verdacht zu klingeln und fotografiere erstmal.

 

Christine hat gottlob weniger Hemmungen und erscheint kurz mit einem blondstruppigen Burschen, dessen holländischen Akzent man selbst aus dem Spanischen heraushört. Er zeigt auf ein Haus, Christine schellt und erscheint bald mit einer älteren Frau, die einen Schlüssel schwenkt. Ich beschließe, auch sie zu lieben.

 

Pfarrkirche San Salvador de Priesca – Anfg. 10. Jh.

Sie ist aber auch sehr nett, ich kann ein bißchen französisch mit ihr plaudern. Sie erklärt  daß noch Gottesdienst in dieser Kirche gehalten wird. Dann setzt sie sich still in eine Ecke und läßt uns fotografieren und schauen, solange wir wollen, ja, auch fotografieren, ohne Blitz natürlich, trotz der Wandmalereien, die hier weniger gut erhalten sind als die in San Julián de los Prados, wie wir am nächsten Tag sehen.

 

Der jüngste Bau der asturischen Präromanik wirkt innen größer als erwartet. Ein weiteres befriedigendes Erlebnis. Die erste Kirche von innen. Eine Glückssträhne? Ich schöpfe wieder Hoffnung.

 

Innen nach Ost

Es steht noch ein Bauwerk auf dem Programm heute. Nicht weit von hier gibt es eine Klosterkirche aus der gleichen Periode, auf dem Gelände des Zisterzienserklosters Santa Maria de Valdediós. Wir wissen nicht, ob wir sie sehen können. Im Internet ist von Restaurierung die Rede.

 

Es geht zurück auf der Autobahn 64, bis wir abbiegen können und auf schon vertrauten schmalen Wegen das Ziel erreichen, nicht weit von der Landstraße AS 267 entfernt.

 

San Salvador de Valdediós –(Ende 9. Jh.)

Ja, es wurde professionell restauriert. Ein großes Schild verkündet das Ende der Arbeiten und die Kosten (knapp Euro 400.000.)

 

Die ehemalige Klosterkirche steht auf einem großen Wiesengelände, aufwendig eingezäunt, mit verschlossenem Gittertor. Weiter hinten die großen Gebäude des Klosters und auch die neue Kirche.

 

Ein Aushang verkündet, daß wir die letzte Führung verpaßt haben. Ich zucke die Schultern, milde gestimmt von den vorherigen Erfolgen. Immerhin können wir von außen gute Fotos durch das Gitter machen.

 

Werner und Konstantin

Aber die Jugend! Christine marschiert zu den Mönchen, holt wahrscheinlich ihr bezauberndes Lächeln hervor und wird belohnt mit einem jungen Mann in Zivilkleidung - und mit Schlüssel. Er spricht ein wenig Englisch, läßt uns auf die Wiese und in die Kirche. Doch, wie ich vermutet hatte – nach der teueren Restaurierung – Fotografierverbot. Es gilt, gut erhaltene alte Wandmalereien zu schonen. Ich erkläre, daß wir eigens aus Köln (wo ist das?) kommen, nur wegen der asturischen Baukunst. Der Junge ist unsicher aber nicht umzustimmen. Schade. Doch der Bau ist auch so ein Erlebnis.

 

Und so beenden wir den Arbeitstag unter dem Strich mit der Zensur 3 plus für „Erreichen der Vorgaben“, geben aber je eine 1 für „Stimmung“, „Wetter“, „Landschaft“.

 

Zurück in Oviedo dann hinauf zur Altstadt mit der spätgotischen Kathedrale. Neben ihr der Rest einer weiteren präromanischen Kirche, El Tirso.

 

Kathedrale von Oviedo – Spätgotik
El Tirso, Frühromanik, Teil der Ostfassade
Oviedo, Altstadtgasse

 

Die Altstadt lädt zum Bummeln ein. Viele Kneipen und Restaurants, in denen gut und vor allem reichlich gegessen und getrunken wird.

 

Es ist nicht schwer, ein Gutes zu finden, mit Müll vor einer langen Theke, wie es sich gehört in Spanien. Traumhaft zarte Baby-Calamaris begießen wir mit einem Weißwein des Marques de Cárceres.

 

Am nächsten Tag Strategiebesprechung beim Frühstück. Nur 2 Kirchen auf dem Zettel.

 

San Julián de los Prados; Oviedo – erste Hälfte 9. Jh

Konstantin fragt besorgt, ob ich einen Plan B habe. Habe ich. Zwar „nur“ eine romanische Kirche in Teverga, einem Weiler südöstlich von Oviedo, dafür aber in einem Naturschutzgebiet, in dessen Inneren es noch eine Braunbären-Population gibt. Die Benediktiner Klosterkirche stammt aus dem 11. Jh., asturische Romanik halt. Lassen wir es gelten.

 

Die Karte zeigt uns, daß wir von dort durch eine Landschaft mit wenigen Straßen und noch weniger menschlichen Siedlungen zu Santa Christina de Lena kommen, südlich von Oviedo. Es ist die letzte, präromanische Kirche im Programm.

 

Fotografierverbot innen erhöht Motivation

Fast vergessen wir, daß da noch die Iglesia de San Julián de los Prados ist, in Oviedo selbst. Wir vertrauen uns dem Navi an und genießen eine knapp einstündige Tour durch Oviedos östliche Industriegebiete und Kleingärten. Zu spät realisieren wir, das „Prados“ die Wiesen meint und nur angibt, daß die Kirche damals außerhalb der Mauern der Hauptstadt erbaut wurde.

 

Diese wohl größte erhaltene Kirche asturischer Baukunst, liegt in einem schönen Park, gleich neben der Autobahn A6, und hier ist er auch, der Touristenbus. Aber die Skandinavier stören nicht, sitzen brav in den Kirchenbänken und lauschen der Reiseführerin, während wir uns umsehen. Wegen der noch gut erhaltenen Wandmalereien darf auch hier nicht fotografiert werden. Sehr beeindruckend, aber man stumpft ein wenig ab, und die Gedanken sind auch schon bei Santa Christina de Lena.

 

Es ist noch früh am Tag. Wir beschließen zu den Braunbären aufzubrechen, genauer zu San Pedro de Teverga, in dem Weiler La Plaza.

 

Auf dem Weg nach Teverga

Die Karte zeigt schon, daß es einsam werden wird und reizvoll. Die grüne Markierung neben der AS 228 hat volle Berechtigung. Auf weiten Strecken verläuft sie, kurvenreich aber gut ausgebaut, neben dem Rio Trubia. Manchmal begleitet ein Wanderweg Fluß und Straße. Wenig Verkehr, je weiter wir nach Süden kommen. Oft verläuft die Strecke in einer Schlucht oder im Tunnel. Dann wieder weitet sich der Blick auf almähnliche Wiesen aus denen nackte Felsen emporwachsen.

 

Die Fahrt dauert. Wir müssen die Straße verlassen und in einem der kleinen Dörfer fragen.

 

Schließlich sind wir da. Hätten wir sie nicht gesucht, wären wir an der romanischen Kirche vorbeigefahren. Der Turm ist neuzeitlich, und die direkt an der Straße liegende Südseite ist wenig auffällig. Die guten Skulpturen an der Traufe entdeckt man erst bei genauem Hinsehen.

 

San Pedro de Teverga (2. Hälfte 11. Jh.)
dito

 

Aber zunächst lassen wir uns von der Umgebung verzaubern. Die Sonne scheint und wieder diese Stille. Dies ist ein Platz, an dem man Urlaub machen möchte.

 

La Plaza
dito

 

Beim Fotografieren der Südwand der Stiftskirche treffe ich auf eine Dame, die sich am Eingang zu schaffen macht. Eingedenk unserer bisherigen Erfolge bei solchen Kirchenhüterinnen, versuche ich es auch hier. Und es klappt. 10 Minuten haben wir Zeit.

 

Und die brauchen wir auch für das 3-schiffige Langhaus, die Skulpturen und einen 2-geschossigen Innenhof/Kreuzgang – aus Holz, der allerdings aus dem 17. Jh.

 

Kollegiats-Stiftskirche San Pedro de Teverga, - Innenansicht
dito

 

Das hat sich gelohnt. Macht Erfolg hungrig? Jedenfalls knurrt der Magen. Was hat die arme Christine gemacht, während wir mittelalterliches Bauen erkundeten? Einen kleinen Spaziergang und dabei ein Gartenrestaurant gefunden. Traumhaft. Wir sind die einzigen Gäste.

 

Speisen im Restaurant La Chabola
dito

 

Hier stimmt alles, bis auf unsere mangelnde Kenntnis der Landessprache, mit der wir schließlich wieder bei „jamon iberico“, Rauchfleisch, Weißbrot und Rotwein landen, ein Genuß bei der Umgebung, dem Wetter und der Begleitung.

 

Wir hätten stundenlang sitzenbleiben mögen, aber da war noch die längere Fahrt zu Santa Christina de Lena, der letzten Kirche im Programm.

 

Wir müssen ein Stück zurück auf der AS 228, ehe wir nach Südost auf die AS 229 bzw. 230 abbiegen. Auch diese Strecke wird auf der Karte durchgehend als landschaftlich schön bezeichnet und wieder haben die Kartographen Recht. Nachdem wir einen lang gestreckten Stausee (Embalse de Valdemurio) passiert haben, beeindrucken uns rechts die Berge der Sierra de Sobia, links die der Sierra de Aramó.

 

Die Straße ist noch einsamer als die AS 228. Genuß ohne Konkurrenz auf der Straße.

 

Nichts „Böses“ ahnend, rundet Christine eine Kurve und da - eine Kirche. Steht nicht auf dem Zettel. Aber ehe mich Komplexe befallen wegen mangelhafter Vorbereitung, sehe ich, das ist „nur“ Romanik. Allerdings „Romanik, wie es sich gehört“, wie es einer meiner Lehrer formulieren würde.

 

Der Bau, San Pedro de Arrojo, ist aus der 1. Hälfte des 13. Jh., vor kurzem tadellos restauriert.
Die Kirche ist einschiffig, mit runder Apsis, die beginnt, in den Boden einzusinken. Wir können nicht hinein, aber allein der Bauschmuck außen ist beachtenswert, vor allem der des Portals und die Skulpturen – Gesichter und Masken – unter der Traufe der Apsis.

 

San Pedro de Arrojo – 1. Hälfte 13. Jh.
dito

 

Wir würdigen und fotografieren entsprechend, aber Santa Christina wartet.

 

Bald windet sich die tadellos ausgebaute Straße in engen Kurven hinauf bis auf etwa 1300 m. Die Aussicht ist bei diesem Wetter traumhaft. Bei einem gut ausgebauten Aussichtspunkt halten wir. Tief unten liegt ein Dorf, dessen Namen wir nicht kennen.

 

Blick auf ein Dort, dessen Namen wir nicht kennen
Paßhöhe auf dem Weg zu Santa Christina de Lena

 

Wir reißen uns los. Es geht noch höher hinauf bis zu einer Paßhöhe.

 

Dann, bergab auf weiterhin kurvenreicher Straße, ist es nicht mehr weit bis Pola de Lena. Der Verkehr nimmt zu. Wir müssen auf die A 66, wenige Kilometer nach Süden, und dann liegt die ehemalige Einsiedelei links, einsam auf einem grünen Hügel, inmitten von Wald und Wiesen.

 

Wir umkreisen den Hügel und finden einen schmalen Feldweg, der hinauf führt. Christine nimmt ihn mutig unter die Räder, während ich überlege, wie wir einen abgerissenen Schallkämpfer der Versicherung schmackhaft machen können.

 

Und da bietet sich Auge und Ohr Bukolisches. Angepflockte Ziegenmütter lassen ihre Glöckchen erklingen. Der Nachwuchs tobt frei herum, unbeeindruckt von dem alten Gemäuer, auf dessen Sockel sie Kletterübungen machen. Abseits herzt sich ein Menschen-Pärchen im Gras. Ringsum schöne Aussicht auf Wald und Berge.

 

Santa Christina de Lena
dito

 

Aber der Schlüssel fehlt. Laut Internet soll er in einer knappen halben Stunde kommen.

 

Die Zeit wird uns nicht lang, zumal die Sonne scheint. Die Zicklein unterhalten uns mit munteren Scheinkämpfen. Wir fotografieren die Kirche von außen, sitzen im Gras, bewundern die Landschaft, in der nur die nahe Autobahn stört.

 

Dann kommt pünktlich der Schlüssel in den Händen einer blonden mittelalterlichen Bäuerin. Durchaus ansehnlich die Herrin der Ziegen. Ihr kalbsgroßer langhaariger Hund läßt sich auf den kühlen Kirchenboden platschen.

 

Es gibt keine Probleme. Wir können bleiben und fotografieren solange wir wollen, dürfen nur den erhöhten Chor nicht betreten.

 

Santa Christina de Lena - Chorschranke
Santa Christina de Lena

 

Wir finden viele Ornamente aus der Naranco-Kirche wieder.

 

Das war ein würdiger Abschluß unserer Besichtigungen. Entsprechend gut ist die Stimmung.

 

Auf der Rückfahrt nach Oviedo beschließen wir, die Tour wieder in der Altstadt ausklingen zu lassen. Christine und Konstantin freuen sich auf die Picos de Europa. Ich tröste mich mit der Aussicht auf zarte Baby-Calamares und einen guten Tropfen vom Marques de Cárceres.

 

 

Siehe auch:

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/romanisch/san-salvador-de-leyre-navarra

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorkarolingisch/santa-maria-quintanilla-de-las-vinas-burgos

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorromanisch/asturische-vorromanik

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorromanisch/san-miguel-de-escalada-leon

 

 










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