Home > Architektur des Mittelalters > Sakralarchitektur > Spätantik > Santa Sabina, Rom

Santa Sabina, Rom

 

Verlangt es den Rombesucher nach einer Auszeit von Lärm und Gedränge, sollte er hinauf zum Aventin-Hügel fliehen. Hier hört er den Wind in den Palmen, und inmitten von Parks und Gärten erwartet ihn die frühchristliche Kirche Santa Sabina. Der schlichte Ziegelbau aus der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts bietet Bemerkenswertes.

 

Ich wurde auf die Kirche aufmerksam durch die Holztüren aus Nußbaumholz aus der Mitte des 11. Jh. in St. Maria im Kapitol in Köln. Gräbt man etwas in der Literatur, taucht Santa Sabina auf mit ihrer noch 600 Jahre älteren Zedernholztür. Darüber unten mehr.

 

 

 

Santa Sabina auf dem Aventin (Wikipedia)

Geschichte

 

In der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts war der Aventin viel belebter. Hier hausten dicht gedrängt vor allem Nichtbegüterte. Vielleicht der großen Gemeinde wegen baute der offensichtlich reiche dalmatinische Priester Petrus von Illyrien eine große 3-schiffige Basilika ohne Querschiff mit einer Gesamtlänge von 63 m. Sie ist die älteste Kirche auf dem Hügel und eine der wichtigsten Basiliken ihrer Zeit.

 

Innenansicht

 Im 13. Jahrhundert schenkte Papst Honorius III. die Kirche dem Dominikanerorden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde immer wieder restauriert, zuletzt um 1935.

 

Architektur

 

Durch die außergewöhnlich großen Fenster der Obergaden fällt viel Licht in das Mittelschiff, das 2 x 12 kannelierte Säulen mit korinthischen Kapitellen von den schmalen Seitenschiffen abgrenzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bauten sind die Spolien einheitlich, aus einem römischen heidnischen Tempel des 2. Jahrhunderts geborgen. Das Ergebnis sind selten schönen Arkaden. Der schlichte Raum beeindruckt durch Licht und Weite.

 

Bei vielen ähnlichen Kirchen sind die Fenster in späteren Jahrhunderten verkleinert worden. Man glaubte, daß Dunkelheit der Meditation und Andacht besser diene, bis dann das Lichtbedürfnis der Gotik diesen Trend wieder umkehrte.

 

Architekturgeschichtlich ist interessant, daß dies eine der frühesten Kirchen ist, deren Säulen mit den Rundbögen des Mittelalters und nicht mit den Architraven der Antike verbunden sind, eine Andeutung der kommenden vertikalen Ausrichtung der Wände.

 

Der Bau erinnert mich an die um 500 errichtete Sant'Apollinare Nuovo in Ravenna, ebenfalls ein Backsteinbau mit weitem Mittelschiff. Auch dort sind 2 x 12 Säulen - aus Konstantinopel - durch Bogen verbunden. In der rund 60 Jahre älteren Kirche auf dem Aventin ist aber der großflächige Mosaikschmuck über den Arkaden verloren gegangen.

 

Ausstattung

 

In unseren Landen sind beklagenswert wenige Lettner und Chorschranken des Mittelalters erhalten. Deshalb der Hinweis auf die des 9. Jahrhunderts hier, die im vorigen Jahrhundert sorgfältig aus Trümmern zusammengesetzt wurden.

 

Chorschranken und Bodenmosaik
Chorschranken, Detail
Chorschranken, Detail

 

Beim Verlassen des Raumes verabschiedet den Besucher unterhalb der vier Fenster eine große Weiheinschrift, die auf den Erbauer hinweist. Die Frauenfiguren rechts und links symbolisieren Juden bzw. Heiden, die zum Christentum gefunden haben.

 

Weiheinschrift Sabina

Im Vorraum dann die berühmte Zedernholztür, schlecht zu erkennen und ohne Ausrüstung schwierig zu fotografieren. Sie bestand ursprünglich aus 28 Paneelen. 18 sind erhalten.

 

Ich habe versucht, einige halbwegs ordentliche Fotos zu machen und war beim Betrachten zu Hause von der Aussagekraft der Darstellungen und vom Erhaltungszustand nach mehr als 1500 Jahren beeindruckt. Wie so oft mutet es an wie ein Wunder, daß diese Werte erhalten blieben.

 

In der linken oberen Ecke wird auf einem Paneel eine Kreuzigungsszene gezeigt (nicht abgebildet), nach Barral i Altet eine der frühesten Darstellungen dieser Art.

 

Sabina Tür
Israeliten mit der Feuersäule, Ägypter ertrinken im roten Meer, Aaron mit Schlangen
Elijas Himmelfahrt Elischa fängt Mantel
Bedeutung unsicher

 

Auf der Piazza dei Cavalieri di Malta erleichtert uns ein Blick durch das Schlüsselloch im Gartentor des Malteserordens den Abschied.

 

Palastgartens des Malteser-Orden: Die Kuppel des Petersdoms

 

 

Literatur

Barral i Altet, Xavier, Von der Spätantike bis zum Jahr 1000, in: Frühes Mittelalter, Henri Stierlin (Hrsg.), Köln, Benedikt-Taschen-Verlag, 1997 – S. 55ff

Brenk, Beat, Spätantike und frühes Christentum, in: Propyläen-Kunstgeschichte, Propyläen-Verlag, 1985 – S.65

Bussagli, Marco (Hrsg), Rom - Kunst und Architektur, Magnus Edizioni SpA, Udine, 1999, Tandem-Verlag GmbH, Sonderausgabe, 2004/2007 – S 207ff

Filitz, Herman, Das Mittelalter I, in: Propyläen-Kunstgeschichte, Berlin, Propyläen-Verlag, 1990 – S. 167

Kraus, Theodor, Das römische Weltreich, in: Propyläen-Kunstgeschichte, Berlin, Propyläen-Verlag, 1990 – S. 137 und S. 175
 

Netz

 

Sascha Hendel: Santa Sabina, Rom
http://deu.archinform.net/

Holly Hayes: Ancient door of Santa Sabina
http://www.sacred-destinations.com/


Eigene Beobachtungen











TOP