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Romanik

San Salvador de Leyre (Navarra)

 

Die Mauren vertrieben sie aus ihrer Hauptstadt. Sie suchten und fanden Schutz in einem Kloster in der Bergeinsamkeit der Sierra de Leyre. Hier ruhen die Könige von Navarra seit 1000 Jahren, umgeben von schöner Architektur mehrerer Stilepochen.

 

San Salvador de Leyre (Navarra)
Ostapsiden der Klosterkirche.

Historischer Hintergrund

 

Nach dem Sieg über das Heer des Westgoten-Königs Roderich am Rio Guadalete (711), eroberten die Mauren die gesamte iberische Halbinsel.

 

Etwa 20 Jahre später entrissen Asturier unter geflohenen westgotischen Adligen den Besatzern die Keimzelle des künftigen christlichen Königreiches Asturien-León.

 

Im Nordosten schüttelten die Basken maurische Herrschaft ab und gründeten das Königreich Navarra.

 

Die rund 700 Jahre dauernde Reconquista hatte begonnen.

 

Einige der neuen Reiche entwickelten in längeren Friedensphasen neue Architekturstile. Teilweise übernahmen sie westgotische Vorbilder. Islamische Stilelemente flossen ein.

 

Nicht nur in den Städten entstanden Kirchen und Profanbauten aus Stein. In abgelegenen Gegenden wurden Klöster gegründet bzw. wieder aufgebaut, wie San Salvador. Die navarresischen Könige stifteten der Benediktiner-Abtei großen Grundbesitz.

 

Geschichte des Klosters

 

Die Anfänge sind nicht dokumentiert. Nach Untermann ist es aus einer Eremiten-Niederlassung hervorgegangen und war schon im 9. Jh. hoch bedeutend. Der heilige Eulogius von Córdoba schreibt in der Mitte dieses Jahrhunderts von guten Tagen unter frommen Männern in San Salvador.

 

Wie viele andere Klöster zerstörten die Mauren auch dieses. 924 aber konnte es vorübergehend König und Bischof beherbergen, nachdem Abd-ar-Rachmann III. sie aus der Hauptstadt Pamplona vertrieben hatte.

 

70 Jahre später besetzte al-Mansur, Wesir des macht- und willenlosen Enkels Abd-ar-Rachmanns III., für einige Jahre erneut Pamplona, und wieder flüchteten König und Bischof in die Sierra de Leyre.

 

Es kam für die Abtei die große Zeit des 11. Jahrhunderts. König Sancho III., der Große, (1000-1035) soll es "Das Herz meines Reiches" genannt haben. Er reformierte das geistliche Zentrum Navarras nach dem Vorbild von Cluny. Und es begannen umfangreiche Bauarbeiten, die bis zum 14. Jh. dauerten, und deren Ergebnis wir heute bewundern. Im 13. Jh. übernahmen nach heftigem Streit die "weißen" Zisterzienser-Mönche das Kloster von den "schwarzen" Benediktinern.

 

Es folgte langsamer Niedergang. Nach der Säkularisation verließen die "weißen" Mönche 1835 die Abtei, und beendeten damit rund 1000 Jahre Klosterleben. Es sollte mehr als 100 Jahre dauern, ehe nun wieder Benediktiner dort Vigilien und Vesper beten konnten.

 

Baugeschichte

 

Nur Untermann und Höllhuber/Schäffke erwähnen ohne Detailangaben eine kleine durch Ausgrabung gesicherte Kirche mit 3 Schiffen und 3 Apsiden, vielleicht aus dem 10. Jh.

 

Praktisch endete für die Reiche im Norden der iberischen Halbinsel mit dem Tod Al-Mansurs in 1002 die aggresive muslimische Bedrohung, und es begann eine neue erfolgreiche Phase der Reconquista. Es machte wieder Sinn, zu bauen. Mit der Krönung Sancho III. begann eine große Zeit für Navarra und die christlichen Reiche, die er vorübergehend einte.

 

Die Geschichte der heutigen Bauten beginnt im 11. Jh., vermutlich in der ersten Hälfte. In der Literatur finden sich keine eindeutigen Daten. Sicher scheint eine Weihe in 1057 zu sein, wahrscheinlich nur der Krypta.

 

In der 2. Hälfte des 11. Jh. wurde zunächst der 3-schiffige Chor über der Krypta fertig gestellt. Das einschiffige Langhaus datiert aus dem 14. Jh..

 

Die Architektur

 

Hohe Klostergebäude engen heute die Kirche ein.

 

Den Zutritt zur Oberkirche verschönt ein figurenreiches Portal in der Westfassade, die "Porta Speciosa". Die meisten Autoren datieren es auf das 12. Jh.. Bei den Kritikern hält sich das Lob für die alten Meister in Grenzen.

 

Der Mittelpfeiler stützt ein Tympanon mit 5 vollständig erhaltenen Figuren. Christus in der Mitte wird umrahmt von Maria und Petrus.

 

San Salvador de Leyre (Navarra)
Westportal - Porta Speciosa.
San Salvador de Leyre (Navarra)
Detail – Tympanon.
San Salvador de Leyre (Navarra)
Detail – Figurengruppe.
San Salvador de Leyre (Navarra)
Detail – Figurengruppe.

Darüber spannen sich 4 Archivolten mit teils stark verwitterten figürlichen Darstellungen. Besser erhalten sind die Figuren/Plastiken oberhalb der Archivolten.

 

Innen läßt der Besucher zunächst zisterziensische Baukunst auf sich wirken. Das einschiffige gotische Langhaus bietet einen interessanten Kontrast zur romanischen Choranlage mit 3 Schiffen. Das Rippengewölbe hebt sich deutlich ab von den Tonnengewölben mit Gurtbogen und veranschaulicht die Weiterentwicklung der Baukunst.

 

San Salvador de Leyre (Navarra)
Vordergrund: Einschiffiges Langhaus mit got. Rippengewölbe. Hintergrund: Chor Oberkirche. Tonnengewölben und Gurtbogen.
San Salvador de Leyre (Navarra)
Gotisches Schiff. Dienste und Gewölbeansatz.
San Salvador de Leyre (Navarra)
Gotisches Gabelkreuz aus dem 14. Jh. in der Oberkirche.

Noch interessanter ist die ungewöhnliche Krypta unter dem Chor.

 

Steile Tonnengewölbe mit Gurtbogen ruhen mit klobigen Kapitellen und Kämpferplatten auf schlanken Säulenstummeln und bilden 2 Joche einer 3-schiffigen Halle. Aber das Mittelschiff ist durch Säulen in 2 gleiche Hälften geteilt, von gleicher Höhe und Breite wie die Seitenschiffe. So kann der Eindruck einer Halle nicht aufkommen, auch wegen der niedrigen Scheidbögen.

 

San Salvador de Leyre (Navarra)
Krypta.
San Salvador de Leyre (Navarra)
Krypta - Detail.

Die Säulen wirken wie eingesunken, die Quader sind weder besonders sorgfältig behauen noch vermauert, die klotzige Architektur ist nicht die Arbeit eines Genies. Ich aber fand sie faszinierend und als Grablege einiger navarresischer Könige durchaus angemessen.

 

Klein bezeichnet die Gewölbe als mozarabisch. Aber wo ist die Eleganz, wie z.B. in San Miguel de Escalada?

 

Nach ein wenig Recherche stieß ich auf das Hammâm in Jaén und das Banuelo des Albaicín in Granada, arabische Bäder, die dieser Architektur ähneln, wenn auch die Säulenstümpfe dort wohl eine Kuppel tragen.

 

Wie auch immer. Es ist beeindruckende Architektur.

 

San Salvador de Leyre (Navarra)
Krypta – Kapitell.
San Salvador de Leyre (Navarra)
Krypta - Altar.

Könige werden den Weg nach San Salvador heute nur noch selten finden. Aber das Kloster in landschaftlich reizvoller Lage zieht viele Menschen an, Touristen, Gläubige und Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostella. Der Weg lohnt sich.

 

 

 

 

Literatur

 


Barral i Altet, Xavier (Hrsg.), Die Geschichte der spanischen Kunst, Könemann-Verlagsgesellschaft, Köln, 1997, Originalausgabe bei Lunwerg Editores S.A., Barcelona, 1996

 

Barrucand, Marianne/Bednarz, Achim, Maurische Architektur in Andalusien

Benedikt Taschen-Verlag, Köln, 1992

 

Drouve, Andreas/Pawlak, Günter/Prentzien, André/Röckenhaus, Kordula,

Nordspanien und der Jakobsweg, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, Bielefeld, 6. Auflage, 2009


Fillitz, Hermann, Das Mittelalter I, in: Propyläen Kunstgeschichte, Propyläen-Verlag, Berlin, 1990

 

 

 

Höllhuber, Dietrich/Schäfke, Werner, Der Pilgerweg nach Santiago, Pastor, Vicente, (Hrsg.) Edilesa, León, 2000

 

Klein, Bruno, Romanische Architektur in Spanien und Portugal, in: Die Kunst der Romanik, Toman, Rolf (Hrsg.), Könnemann Verlagsgesellschaft  mbH, Köln, 1996

 

Untermann, Mathias, Architektur im Frühen Mittelalter, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006

 

 

 

 

 



Internet:

 

 

Historia de Leyre. Siglios XII-XIX
www.monasteriodeleyre.com

 

 

Eigene Beobachtungen

 

 

 

Siehe auch:

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorkarolingisch/santa-maria-quintanilla-de-las-vinas-burgos

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorromanisch/san-miguel-de-escalada-leon

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorromanisch/asturische-vorromanik

 

www.wernernolte.de/index.php/architektur-des-mittelalters/sakralarchitektur/vorromanisch/reisebericht-asturien

 











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