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Profanarchitektur

Romanische Häuser

 

Wir können uns die Zustände in mittelalterlichen Städten kaum vorstellen mit Abfällen auf den Straßen in denen die Tiere wühlten und Behausungen der Menschen, die für heutiges Zuchtvieh nicht infrage kämen. Da waren im Hohen Mittelalter Wohnbauten aus Stein die große Ausnahme und für Normalbürger unerschwinglich. Selbst von diesen Ausnahmebauten sind nur wenige erhalten.

 

Steinhäuser waren der Oberschicht, z.B. hohen Beamten und Klerikern vorbehalten.

 

Das älteste dieser Häuser, von denen in Deutschland nur etwa 1 Dutzend überlebt hat, soll nach neueren dendrochronologischen Untersuchungen um 1075 in Winkel im Rheingau erbaut worden sein, das so genannte "Graue Haus".

 

Die Bauten waren in der Regel repräsentativ, meist traufseitig zur Straße gebaut und mehrgeschossig. Im untersten Geschoß befand sich ein Gewölbe als Keller oder Lagerraum, in den oberen Stockwerken oft ein Saal.

 

Dies waren reine Wohnbauten. Sie dürfen nicht mit den als Verteidigungsbauten gedachten Streit- oder Geschlechtertürmen verwechselt werden.

 

Die weniger betuchte Masse der Stadtbewohner wohnte oder hauste in Fachwerkhäusern, Holzhäusern oder Lehmhütten, die die Jahrhunderte kaum überdauerten.

 

Wegen der ständig drohenden Feuersbrünste, die wegen der Baumaterialien, der engen Bebauung und der praktisch nicht existenten Möglichkeiten der Feuerbekämpfung verheerende Folgen hatten, begannen auch weniger Wohlhabende ab etwa 1200 steinerne Räume - oft als Küche - in  Holzbauten  integriert, zu errichten. Auch Untergeschosse wurden aus Stein errichtet. In größerem Umfang setzten sich Steinbauten erst spät durch.

 

Rosheim (Elsass - F)
Rue du général de Gaulle

"Heidehüss". Erbaut um 1160/70 - nach anderer Aussage schon 1157 - von Rosheimer Patrizier-Familie. Renovierung 2001/2. Soll ältester und einziger profaner Steinbau des Elsass sein. Zwei Obergeschosse, Bruchsteinmauerwerk, äußere Holztreppe und Holzbalkon, monolithische Kellerfenster, Werksteinfassungen der Zwillingsfenster.


Münstereifel (D)
Lange Hecke 6

Erbaut 1167, Wohnung eines wohlhabenden Stift-Kanonikers. Besterhaltenes Beispiel hochmittelalterlichen Steinhauses im Rheinland. Traufseitig zur Straße, Bruchsteinmauerwerk, 2 Obergeschosse, durch Längswand geteilt, erreichbar durch Außentreppe aus Holz. Küche mit Kamin im Erdgeschoss. Tonnengewölbter Keller für Brunnen, Vorratshaltung und Vieh. Werksteinimitationen durch Putz bei den Blendbögen der Rundbogen-Zwillingsfenster


Gelnhausen (D)
Am Untermarkt

Erbaut um 1180, 1955 restauriert, Wahrscheinlich Sitz eines kaiserlichen Beamten (der Staufer-Pfalz zu Gelnhausen). Rampe auf offenen Tonnengewölben vor dem Erdgeschoß ist nicht erhalten. Zugang durch Kleeblattportal. Zwei Obergeschosse. Im ersten Geschoß 5 m hoher zweischiffiger Saal. Drillings-Fenster-Arkaden im 2. Geschoß original, die Kapitelle denen der Pfalzruinen verwandt. Andere Fenster in der Spätgotik erneuert.


Seligenstadt (D)
Große Rathausgasse 5

Um 1200 erbaut. Vermutlich ehemalige kaiserliche Vogtei. Keller und Fenstereinbauten 18. Jh. Stufengiebel mit Rundbogenfenstern. Kanten, Bögen, Gewände teils Werk-, teils Backstein. Unten: Hinter Flachbögen auf gedrungenem Mittelpfeiler: geräumige Halle.


Siegburg (D)
Griesgasse 2

Haus zum Winter. Erbaut 1220/30, rheinische Spätromanik, Pfarrhaus der Servatiuskirche (Hintergrund), ältester steinerner Profanbau des Rhein-Sieg-Kreises. Aus "Wolsdorfer Brocken" (Eruptiv-Gestein). Keller und Nordgiebel erhalten, West- und Süd-Seite durch Umbauten verändert.












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