lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte

chronologien jahrhunderte

7. Jahrhundert: Übersicht

 

In Europa halten sich auf der iberischen Halbinsel und in Italien die germanischen Reiche der Westgoten und Langobarden, das der Franken dehnt sich aus. An der Elbe werden die einsickernden Westslawen Nachbarn der erstarkten Sachsen. Südslawische Stämme breiten sich auf dem Balkan aus. Noch widersteht Konstantinopel dem Ansturm des Orients, aber der Islam berennt seine Mauern. Der Vordere Orient und ganz Nordafrika lauschen schon den Gebetsrufen des Muezzin.

 

Gegen politische Zugeständnisse an Adel und Hausmeier gelingt es den geschwächten Merowinger-Königen Anfang des Jahrhunderts noch einmal, das Frankenreich zu einen. Ab Dagoberts Tod (639) zerfällt es und mit dem Reich die Dynastie. Gegen Ende des Jahrhunderts beginnt mit dem austrischen Hausmeier Pippin der Aufstieg der Karolinger. Im Reich wirkt weiterhin die iro-schottische Mission.

 

Unter den Franken bleibt Alamannien selbständiges Herzogtum, das sich gelegentlich auflehnt. Die Christianisierung schreitet fort.

 

Die Bajuwaren unter den Agilolfingern bleiben abhängig von den Franken.

 

Die Friesen schaffen Anfang des Jahrhunderts die größte Ausdehnung ihres Gebietes und werden bedeutende Seehandelsnation. Später werden sie von den Franken zurückgedrängt. Sie behalten unter Karl dem Großen eine gewisse Autonomie. Angelsächsische Mönche beginnen zu missionieren, zunächst ohne durchschlagenden Erfolg.

 

Die Sachsen dehnen sich, eher friedlich durch Assimilierung anderer germanischer Stämme, nach Südwesten aus.

 

Die Votivkrone von König Rekkiswinth aus dem Schatz von Guarrazar (Quelle: Wikipedia [de], Lizenz: Public Domain.
 
 

Nachdem die arianischen Westgoten-Könige auf der iberischen Halbinsel zum katholischen Glauben übergetreten sind, beginnen sie mit der Judenverfolgung. 649 erhalten sie mit Rekkiswinth einen ihrer bedeutendsten Könige. Aber Wirren in der Thronfolge schwächen das Reich.

 

Die Langobarden regeln ihren inneren Zwist und bauen ihre Position in Italien aus, auch mit Hilfe des übertritts der Führungsschicht vom arianischen zum katholischen Bekenntnis. Sie stehen auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Das Ende des Jahrhunderts ist wieder von inneren Wirren gekennzeichnet.

 

Von den sich heftig befehdenden angelsächsischen Kleinkönigreichen ist Northumbrien zeitweise militärisch überlegen. Der Kampf gegen die Kelten geht weiter. England ist wichtiger Schauplatz für die Ausweitung des Christentum, seit der Hl. Augustinus Anfang des Jahrhunderts in Kent missionierte. Neben der römischen Mission kommen gegen Mitte des Jahrhunderts von Rom unabhängige iroschottische Missionare ins Land. Beim Versuch einer Einigung auf der Synode von Whitby setzt sich die römische Linie durch. Berühmte Klöster, wie Lindisfarne, Jarrow, Wearmouth werden gegründet.

 

In christlichen Irland kämpfen keltische Clans in wechselnden Koalitionen, zunächst um die Vorherrschaft in ihren Provinzen Trotzdem blühen die Klöster der keltischen Kirche auf.

 

Ein Umbo (Schildbuckel) der Langobarden (Quelle: Wikipedia [de], Autor: MapMaster.)
 
 

In Schweden werden die Svear, die dem Land den Namen verliehen, mächtiger, ohne die Gesamtherrschaft übernehmen zu können. Die "Gauten" (eventuell bei der Völkerwanderung zurück gebliebene Goten) treten aus dem Dunkel. Ins Baltikum werden Kriegszüge unternommen. Auch in Norwegen und Dänemark kommt es noch nicht zur staatlichen Einheit, aber führende Geschlechter bilden sich aus.

 

Ab Anfang des Jahrhunderts siedeln slawische Stämme (u.a. Sorben und Abodriten) in von den Germanen im Zuge der Völkerwanderung verlassenen Gebieten östlich der Elbe.

 

Um diese Zeit vertreiben Slawen und Awaren Byzanz aus Dalmatien. Aber Justinian II. schlägt Awaren und Slawen in Mazedonien. Er soll 30.000 nach Kleinasien vertrieben haben. Erster bulgarischer Staat Ende des Jh..

 

Anfang des Jahrhunderts erbebt Byzanz unter den Angriffen des Perserreiches. Konstantinopel wird belagert. Der Balkan geht verloren. Nach einem Putsch gründet 610 Herakleos eine bis 711 regierende Dynastie, die das Griechische in den Vordergrund stellt. (Titel "Basileus" für den Kaiser, Griechisch wird Amtssprache.) Nach langem Ringen nimmt dieser Kaiser den Persern alle eroberten Gebiete wieder ab, um nach wenigen Jahren, durch die Kämpfe ausgeblutet, einem noch gefährlicheren Feind gegenüberzustehen - den kriegerischen Nachfolgern Mohammeds, die Konstantinopel mehrfach erfolglos belagern.

 

Die Geburt des Islam in den Wüsten Arabiens hat weit reichende Folgen, nicht nur für Byzanz. Selbst Europa wird bald betroffen sein. Um 610 beginnt Mohammed mit der Verkündigung. Die politischen Erschütterungen sind durchaus denen der Völkerwanderung vergleichbar. Morde und Putsche unter Mohammeds Nachfolgern, sowie ein Schisma (Spaltung in Sunniten und Schiiten) bremsen das Vordringen kaum. Am Ende des Jahrhunderts hat der Islam den gesamten Vorderen Orient, Nordafrika und ägypten erobert, und ist zur indischen Grenze vorgestoßen.