lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Sängertribünen

 

Immer sind sie reich geschmückt, wie hier in der 1276 erstmals erwähnten Kirche St. Nikolai in Stralsund. Dort „hängt“ sie über dem Hochaltar im Osten.

 
 
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Auch in der gotischen Kathedrale von Exeter aus dem 14. Jh. fällt eine Sängerkanzel auf, hier an der Nordseite des gotischen Langhauses. Sie soll um 1340 kurz vor der Vollendung der Kirche entstanden sein.
 
 
 
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Die mit einem Steinrelief von 12 musizierenden Engeln geschmückte Tribüne wird noch heute benutzt.
 
 
 




Grüne Männer

oder Blattmasken. So werden skurrile Skulpturen bezeichnet, Köpfe aus deren Mündern Blätter oder Pflanzen hervorquellen.
 
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 Kaiserdom Königslutter
 
Die Bedeutung ist umstritten. Manche Forscher sehen sie als Fruchtbarkeitssymbole oder als Ausdruck der Naturgewalt.
 
Im Allgemeinen wird das römische Altertum als Ursprung gesehen. Von dort übernahm die Kunst des christlichen Europa die Darstellung mit Schwerpunkt in der deutschen Spätromanik. In anderen Ländern und Kunstepochen kommen die Grünen Männer nicht oder höchst selten vor.
 
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Neuwerkkirche Goslar
 
Sie sind nicht auf die Architektur beschränkt, sondern fanden Eingang auch in das Schnitzwerk von Chorgestühlen und in die Buchmalerei.




Säulenwald im Monte Amiata

Das kriegerische Germanenvolk der Langobarden hatte bereits im 6. Jh. einen Teil des byzantinischen Italien erobert und Gelegenheit gehabt, aus antiken und byzantinischen Wurzeln einen eigenen Architekturstil zu entwickeln.
 
In der Krypta aus dem 8. Jh., behütet von der 300 Jahr jüngeren Kirche des Klosters San Salvatore, haben sich frühmittelalterliche Steinmetzkunst und moderne Beleuchtungstechnik verbündet und einen zauberhaften Raum geschaffen.
 
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Obwohl nicht vergleichbar, fällt mir unwillkürlich der Säulenwald der Moschee zu Córdoba ein.
 
Hier schufen langobardische Künstler 36 monolithische Säulen mit variantenreich skulptierten Kapitellen. Sie tragen ein Kreuzgratgewölbe aus Backstein. 12 Säulen wurde bei der Restaurierung des 20. Jh. neu geschaffen.




Gesellige Eremiten

 
Die Psychologen definieren die Einsamkeit als einen unserer größten Albträume.
 
 
Jedoch in vielen Kulturen und zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die gerade Einsamkeit suchten, in Bergen, Wüsten, Sümpfen, für Gebete, Meditation, Askese.
 
 
Da mutet es merkwürdig an, dass einige „Aussteiger“, aus welchen Gründen auch immer, nach gewisser Zeit zwar Eremit bleiben, aber doch in Gemeinschaft leben wollten. Die Quadratur des Kreises.
 
 
Das Eremitentum des 4. Jahrhunderts als die früheste Form christlichen Mönchtums des Westens fand Antworten, deren Spuren wir – selten - in der Architektur finden.
 
 
In Asturien stieß ich an einem Bau der präromanischen Architektur auf dieses Phänomen in Form der cámera oculta.
 
 
Drillingsfenster zur cámera oculta. Mit Rundbogen aus Backstein.
 
Nur durch dieses Fenster gibt es in San Pedro de Nora Zugang zu einem abgeschlossenem Raum über dem Chor. Solche Räume finden sich auch in der westgotischen Architektur
 
 
SanPedro de Nora (E) (um 790)
 
Der Sinn ist nicht erforscht, sagen die meistenExperten, doch gibt Barral i Altet in „Frühes Mittelalter“einen Hinweis, der zum Nachdenken anregen sollte: Eremiten in extremer Klausur könnten hier gehaust haben, inmitten des normalen Klosterlebens.
 
Das wäre ein Gegenstück zu iro-schottischen Eremiten-Klöstern des 5./6. Jh. und zugemauerten Zellen an mittelalterlichen Kirchen in England. Die „Bewegung“ fände ihren Höhepunkt in den Kartausen des Bruno von Köln im 11. Jh.
 
 
 
 
 




Löwenportale

 
Der Löwe war im Mittelalter ein starkes Symbol.
 
Er stand für Kraft und Stärke, königliche Haltung. Löwen zierten Fahnen und Wappen, und manchmal verbanden sich Wort und Symbol mit dem Namen eines außergewöhnlichen Recken. Denken wir an Heinrich den Löwen, (1130?-1195) Herzog von Sachsen oder an den englischen König Richard Löwenherz (1157-1199).
 
Auch die Kirche schätzte den Löwen. An vielen Bronzetüren des Mittelalters finden wir Löwenköpfe als Abwehr- und Schutzsymbol.
 
 
 
Stiftskirche San Quirico Orcia
Stiftskirche San Quirico d'Orcia, Südtoscana
 
 
Beeindruckender sind die Löwenportale, vor allem in Italien zu Haus.
Nur gelegentlich fanden sie den Weg in andere Länder.
 
 
 
kaiserdom koenigslutter
Kaiserdom in Königslutter
 
In der Regel liegen zwei Löwen mit geöffneten Rachen einander gegenüber, auf ihren Rücken Stützen in Form von Säulen oder menschlichen Figuren, die einen wie immer gearteten Vorbau tragen. Symbol: Auch die Mächtigen müssen sich der Kirche unterordnen.
 
 
In einer anderen Variante (z.B. Kathedrale von Matera) halten die Löwen Menschen oder andere Figuren zwischen den Tatzen. Das unterstreicht die Gefährlichkeit, ändert aber nichts daran, dass auch sie der Kirche zu dienen haben.