lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
 

sakralarchitektur

 

Spätantike Kirchen

 

Mittelalterliche Baukunst beginnt mit der Spätblüte der Antike. Einiges hat selbst die Germanenstürme überlebt. Der Spätantike verdanken wir die Hagia Sophia in Istanbul mit dem größten Innenbau der gesamten Epoche. Byzantinische Baumeister entwickelten in dieser Zeit die Kreuzkuppelkirchen. Ich stand vor 20 Jahren Jahren zum ersten Mal vor den prächtigen Mosaiken in Ravenna, die 1500 Jahre lang dem Verfall getrotzt und mich tief beeindruckt haben.

 

Grabmal der Galla Placidia, Ravenna

Grabmal der Galla Placidia in Italien

 

Der gut erhaltene schlichte Zentralbau ist seit über 1500 Jahren so gut wie unverändert. Im Inneren weihevolle Dämmerung und die Pracht des Mosaikschmucks der seinen Höhepunkt in der Kuppel mit dem blau-goldenen Sternenhimmel hat. Der Erhalt der Mosaike über eineinhalb Jahrtausende ist ein kleines Wunder, das auch mittelalterlicher Denkmalpflege zu danken ist. weiter >>


Grabmal Theoderichs des Großen, Ravenna

Grabmal Theoderichs des Großen in Italien

 

Der Bau, errichtet aus Großquadern in perfekter Steinbearbeitung und anspruchsvoller mörtelloser Steinsetzung, erinnert an den größten Ostgotenkönig und das Sterben von Reich und Volk nach seinem Tod. Eine der größten Ingenieurleistungen der Spätantike, der 300 Tonnen schwere Dachmonolith aus Istrien, sollte den König nach dem Tode hüten, doch religiöse Intoleranz ließ Leichnam und Sarkophag verschwinden. weiter >>


San Vitale, Ravenna

San Vitale in Italien

 

Am größten Zentralbau Ravennas, nach byzantinischen Vorbildern errichtet, orientierten sich mehr als 200 Jahre später die Baumeister der Pfalzkapelle Karls des Großen. Die Pracht der Ausstattung ist kaum zu übertreffen: Säulen, Kapitelle, Marmorinkrustationen und Mosaike verstellen fast den Blick auf die Architektur. Anders als in Aachen sind die wertvollen und vielseitigen Mosaike auf wundersame Weise erhalten geblieben. Neben vielen christlichen Motiven fasziniert die älteste Darstellung des prunkvoll daherkommenden byzantinischen Kaiserpaares. weiter >>


San Apollinare Nuovo, Ravenna

San Apollinare in Italien

 

Neben beachtlichen Zentralbauten bietet uns die ravennatische Architektur auch sehenswerte Basiliken. Besonders San Apollinare Nuovo, Hofkirche des Gotenkönigs Theoderich, glänzt durch reichen Mosaikschmuck, der nicht nur Augenweide ist, sondern auch Zeugnis für das Bedürfnis der Sieger, Erinnerungen an den Besiegten gründlich zu tilgen. weiter >>


Santa Sabina, Rom

 

Verlangt es den Rombesucher nach einer Auszeit von Lärm und Gedränge, sollte er hinauf zum Aventin-Hügel fliehen. Hier hört er den Wind in den Palmen und inmitten von Parks und Gärten erwartet ihn die frühchristliche Kirche Santa Sabina. Der schlichte Ziegelbau aus der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts bietet Bemerkenswertes. weiter >>

 

In einer Serie über mittelalterliche Architektur darf die Zeit der späten Antike, die gleichzeitig die des frühen Christentums ist, nicht fehlen. Diese Epoche, etwa zwischen 400 und 600, ist Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter.

 

Mit dem Toleranzedikt Kaiser Konstantins (313) begann die christliche Kirchenarchitektur. Unter Kaiser Theodosius d. Gr. (379-95) erreichte sie eine erste Blütezeit.

 

Bald nach der Teilung des römischen Reiches (395) übernahm der östliche Reichsteil mit der Hauptstadt Konstantinopel von Rom die Führung in der Baukunst. Höhepunkt war die (zweite) Hagia Sophia, die in der unvorstellbar kurzen Bauzeit von 5 Jahren erstand (ab 532).

 

Byzantinische Baukunst strahlte in alle Reichsteile aus, bis nach Armenien und sogar nach Nordafrika. Auch in der Bauplastik war Byzanz führend. Vor allem Säulen waren in Italien begehrt. Und obwohl Italien von 476–526 von Germanen beherrscht wurde, entstanden auch dort vom östlichen Reichsteil beeinflußte Großbauten.

 

Auf der Basis antiker Vorbilder wurde eine Vielfalt von Bauformen entwickelt. Die Längsbauten, teilweise mit fünf Schiffen, waren Abbilder römischer Basiliken. Es entstanden schon zu theodosanischer Zeit Bauten mit kleeblattförmigen Chören, deren Einfluß bis tief ins Mittelalter reichte. (Vier Beispiele allein in Köln: Andreas, Aposteln, Groß St. Martin, Maria im Kapitol.)

 

Baptisterien und Mausoleen wurden oft als Zentralbauten errichtet, wie das Grabmal des Gotenkönigs Theoderich. Weder mit Taufe noch Bestattung hatte San Vitale in Ravenna zu tun, ein anderer wichtiger Zentralbau. Er basiert auf Vorbildern in Konstantinopel (Hagio Sergios und Bakchos) ohne sie zu kopieren und wirkte seinerseits hinein ins Mittelalter. Die Pfalzkapelle in Aachen orientierte sich an San Vitale, fügte Eigenes hinzu und ist ihrerseits Vorbild für ottonische und romanische Bauten, wie in Essen und Ottmarsheim.

 

Die letzte Entwicklung frühchristlicher Baukunst waren die Kirchen in Kreuzform. Als Beispiel diene das Mausoleum der Galla Placidia. San Marco in Venedig steht für die berühmten Kreuzkuppelkirchen.

 

An vielen Orten im Osten und Süden des ehemaligen römischen Reiches sind Bauten dieser Stilepoche erhalten. Ich habe Ravenna und Rom besucht. Besonders in den ravennatischen Kirchen sind bedeutende Werke der Mosaikkunst zu finden, die der Architektur der Spätantike einen besonderen Stempel aufdrückt.