lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
 

Fachvokabular

Glossar

 
Annex Anbau
Apsis (Apside) In der Regel östlichster Raum einer Kirche, meist überwölbt. Halbrunder oder >polygonaler Grundriß
Apsidiole Kleine >Apsis
Architrav Waagerechter "Balken" auf >Säulen aufliegend, z.B. bei Portalen (unterer Abschluß des >Tympanon)
Arianer Von der offiziellen Kirche als Ketzer angesehene Christen. Nach dem Priester Arius, der Christus die Eigenschaft als Gott absprach. Dieser Glaube wurde im frühen MA lange von den meisten Germanen praktiziert. Führte zu Spannungen mit Rom und den beherrschten Völkern.
Arkade Auf 2 Pfeilern oder Säulen ruhender Bogen, auch fortlaufende Reihe
Arkaden ~gekuppelt Bogengruppen durch Überfangbögen (meist Blendbögen) zusammengefaßt
Atrium Vorhof christlicher Kirchen im Westen
Basilika Ursprünglich profaner römischer Richtungsbau. Wohl häufigster Kirchenbautyp im MA, meist in West-Ost-Richtung mit 3 bis 5 Schiffen, durch >Arkaden getrennt. >Mittelschiff überragt >Seitenschiffe und erhält eigenes Licht durch die >Obergaden (Lichtgaden)
Bauplastik >Plastik
Blendarkade >Arkade vor einer Wand (zur Wandgliederung)
Bogen Verbindet 2 Stützen. (z.B. Rund-, Spitz-, >Hufeisenbogen)
Chor Sakral-Raum, in der Regel im Osten der Kirche, z.B. zwischen >Vierung und >Apsis (Chorabschluß) mit (Hoch-)Altar und evtl. Chorgestühl
Doppelchor 2 Chöre einer Kirche. In der Regel im Osten und Westen. Oft in >ottonischer Baukunst
Empore Galerie, nach innen geöffnet. In Basiliken z.B. zwischen >Arkaden des >Langhauses und den >Obergaden (über den Seitenschiffen)
Nonnen~ In Klosterkirchen: Aufenthaltsort der Nonnen beim Gottesdienst
Flachrelief >Relief
Fresko (Von ital. =frisch) Wand- und Deckenmalerei auf frischem Kalkputz
Fries Wandstreifen, meist horizontal, mit sich wiederholenden Ornamenten
Gebundenes System Das Maß der >Vierung bestimmt die Grundrisse der anderen Raumteile
Gesims Horizontaler vorspringender Streifen zur Gliederung einer Wand
Gewände Flächen der Öffnungen zwischen Innen- und Außenwänden – schräg eingeschnitten (>auch Laibung)
Gewölbe Oberer Raumabschluß durch nach oben gekrümmte Fläche, meist aus Stein. In der Reihenfolge der Entwicklung unterscheidet man hpts. Tonnen~ (schon in der Antike), Kreuzgrat~ (zwei Tonnen treffen rechtwinklich zusammen) und >Kreuzrippengewölbe (Gotik)
Giebel Stirnseitiger Abschluß eines Satteldaches (dreieckig)
Gotik Stil-Epoche zwischen >Romanik und Renaissance. In Deutschland etwa 1. Hälfte 13. Jh. bis Beginn 16. Jh.. Ursprgl. abwertend gemeinter Begriff (Goten = Barbaren) durch ital. Kunsthistoriker, Mitte 16. Jh. entstanden.
Grablege Bestattungsort adliger, fürstlicher oder königlicher Personen, meist in Kirchen und Klöstern
Gurtbogen Trennt die >Gewölbe der einzelnen >Joche (quer zum Schiff)
Hallenkirche Mehrschiffiger Kirchen->Langbau. >Schiffe sind im Prinzip gleich hoch. Mittelschiff enthält kein eigenes Licht (weil keine >Obergaden), sondern wird von den hohen Seitenschifffenstern beleuchtet.
Haustein Grob bearbeiteter Naturstein
Hufeisenbogen Unten eingezogener Rundbogen (westgot./islamisch)
Joch Rechteckiger oder quadratischer Teil des >Langhauses, inkl. >Gewölbe, von benachbarten Raumteilen durch >Bögen abgegrenzt. Grundfläche entspricht bei >gebundenem System dem Maß der >Vierung
Kämpfer Vorspringende Platte zwischen >Kapitell oder Stütze und >Bogen
Kalotte Fläche eines Kugelabschnitts, z.B. als Apsiswölbung
Kannelierung Längsrillen in >Säulen oder >Pfeilern (in der Regel antik)
Kapellenkranz Eine Anzahl von Kapellen außen um den >Chor herum
Kapitell Oberer hervortretender Abschluß einer >Säule, eines >Pfeilers oder eines >Pilasters. Oft reich ornamentiert
Karolingische Baukunst Stilepoche z.Zt. Karls des Großen und seiner Nachfolger (2. Hälfte 8. Jh. bis Anfang 10. Jh.)
Kreuzrippengewölbe Rippen anstelle der Grate. Sie übertragen die Lasten auf die Pfeiler
Krypta Meist unterirdischer Bau in Kirchen, z. B. unter dem >Chor zur Bestattung von Heiligen und anderen Persönlichkeiten und/oder zur Aufbewahrung und Anbetung von Reliquien
Stollen~ Frühe Krypta in Form eines oder mehrerer Gänge, bzw. Stollen, meist mit Tonnengewölben
Kuppel Halbkugelgewölbe
Laibung z.B. Tür- oder Fenster~: Senkrechte Flächen der Öffnungen zwischen Innen- und Außenwänden, gerade eingeschnitten,(> auch Gewände)
Langbau In Längsrichtung (meist West-Ost-Richtung) orientierter Richtungsbau (>Basilika, >Saalkirche) – Gegenstück: >Zentralbau
Langhaus (Meist in West Ost-Richtung verlaufender) größter Baukörper einer >Basilika (mehrschiffig) oder einer >Saalkirche (einschiffig) zwischen Fassade und >Chor bzw. >Vierung
Laterne Kleiner durchbrochener Aufbau über einer >Kuppel
Lichtgaden >Obergaden
Lisene Aus einer Wand hervortretendes vertikales Band (ohne >Kapitell und Basis)
Maiestas Domini Darstellung des thronenden Christus in einer >Mandorla
Mandorla Mandelförmiger Heiligenschein
Medaillon Relief oder Bild in Kreis oder Ellipse
Monolith Monumentales Bauelement (z. B. >Säule) aus einem Stein
Mozaraber Auf der iberischen Halbinsel: Christen, die unter moslemischer Herrschaft lebten und auch Kirchen errichten durften – eigener Architekturstil
Nimbus Heiligenschein
Obergaden (Auch Lichtgaden) – Fensterzone des >Mittelschiffs oberhalb der Seitenschiffdächer einer >Basilika
Oktogonal Achteckig
Ottonische Baukunst (Etwa 950-1020). Stil z.Zt. des sächsischen Königs- und Kaisergeschlechts der Ottonen, (Liudolfinger)
Patrozinium Schutzherrschaft eines Heiligen, z.B. über eine Kirche oder ein Kloster
Pfalz Aufenthaltsort reisender mittelalterlicher Herrscher mit Palast, Kapelle, Wirtschaftsgebäuden. (Mit oder ohne Befestigungsanlagen)
Pfeiler Senkrechte Stütze, rechteckig oder >polygonal
Pilaster Aus der Wand hervortretender flacher >Pfeiler, meist mit Basis und >Kapitell
Plastik Figuren und Ornamente (am Bau: Bauplastik – in der Regel aus Stein)
Polygonal Mehreckig
Quader Rechteckiger, oft großer, sorgfältig behauener Naturstein
Querschiff (Auch Querhaus) – verläuft quer zum >Langhaus (ein- oder mehrschiffig)
Relief Figuren, Ornamente, mehr oder weniger erhaben aus einer Fläche heraustretend
Romanik Stilepoche zwischen >karolingischer Kunst und >Gotik. Bezeichnung erst Anfg. 19. Jh. entstanden. In Deutschland begann sie mit der Vorromanik Anfang des 11. Jh. und dauerte bis Mitte des 13. Jh.
Saalkirche Langbau mit einem >Schiff, ohne Gliederung im Inneren
Säule Senkrechte Stütze mit rundem oder >polygonalem Querschnitt, mit Basis und >Kapitell
Schiff Teil des >Langhauses (>Basilika) oder das Langhaus (>Saalkirche), bzw. der quer dazu verlaufende Baukörper (>Querschiff)
Schlußstein Oberer Stein eines Rippengewölbes, oft aufwendig verziert
Skulptur Werk eines Bildhauers
Solidus Römische Goldmünze, ca. 4.5 Gramm, ab 4. Jh. bis Mitte 15. Jh. (zuletzt Byzanz)
Spolie Von älteren (meist antiken) Bauten übernommenes Teil, z.B. Säule
Steinsichtig Unverputzt, unverkleidet (z.B. Mauer)
Strebebögen Steinerne, oft mehrstufige Bögen, die den Druck der >Mittelschiff->Gewölbe nach außen über die Dächer der Seitenschiffe hinweg auf >Strebepfeiler ableiten (vor allem in der >Gotik)
Strebepfeiler >Pfeiler an den Außenwänden zur Abstützung von Mauern oder >Gewölben
Stuck Masse aus Kalk, Gips und Sand für Anfertigung von >Plastiken oder Wanddekorationen
Stützenwechsel Wechsel zwischen >Pfeiler und >Säule in sakralen >Langbauten (z.B. romanischen >Basiliken). Rheinischer ~: 1 Pfeiler - 1 Säule – 1 Pfeiler – 1 Säule. Sächsischer ~: 1 Pfeiler – 2 Säulen etc.
Tambour Unter der eigentlichen >Kuppel, zylindrisch oder achteckig, manchmal mit Fenstern
Tonnengewölbe Einfaches Gewölbe in Form einer Halbtonne
Traufe Untere Kante einer geneigten Dachfläche
Triumpfbogen Trennt in mittelalterlichen Kirchen >Mittelschiff vom >Querschiff oder >Chor
Tympanon Bogenfeld über dem >Architrav an mittelalterlichen Portalen
Vierung Quadratisch oder rechteckig. Hier kreuzen sich Lang~ und Querhaus.
~ausgeschieden Durch verstärkte >Pfeiler und markante Bögen gleicher Scheitelhöhen von benachbarten Raumteilen abgegrenzt
~ abgeschnürt Dito, aber Bögen haben ungleiche Scheitelhöhen, Durchgänge zwischen den Vierungs-Pfeilern sind verengt.
Vorhalle Bei >Basilika: Vorhof, von Säulen umgeben, oft reich mit Plastik versehen
Wendelstein Treppenturm
Werkstein Sehr sorgfältig bearbeiteter Naturstein von großer Ebenflächigkeit (oft für Fenster- und Türumrandungen)
Westbau, ~werk Einem Sakralbau vorgesetzter wuchtiger Baukörper, praktisch selbständig, meist mit Türmen. Untergeschoß oft Taufkapelle. Obergeschoß Michaelskapelle oder Andachtsraum weltlicher Herrscher mit Blick auf den Hauptaltar
Zellenquerbau Querschiff mit seitlichen abgetrennten Räumen
Zentralbau Ohne Längsorientierung, meist runder, kreuzförmiger oder polygonaler Grundriß (oft Grabbauten, Geburtskirchen [Baptisterien], Pfalzkapellen)